Elsbeth und Hedwig Engelmann

 

Elsbeth Engelmann wurde am 7. Mai 1870 in Nürnberg als Elsbeth Rosenfeld geboren. Sie heiratete den sechs Jahre älteren Dr. jur. Theodor Engelmann, der aus St. Georgen bei Bayreuth stammte, und zog mit ihm 1893 nach München und 1899 in die Luisenstraße 3, also ganz ins Zentrum der Stadt und in die Nähe des Justizgebäudes. Das Ehepaar hatte zwei Töchter, Hedwig, geboren am 22. Januar 1897, und Erika, geboren am 28. Juni 1902. Dr. Theodor Engelmann wurde Gerichtsrat am Bayerischen Oberlandesgericht und starb im Alter von 60 Jahren.

 

Die Tochter Hedwig (Hedda) wohnte mit ihrer jüngeren Schwester Erika seit 1899 bei den Eltern in der Luisenstraße 3. Sie besuchte das Kerschensteiner-Institut und studierte an der Akademie für Tonkunst, wo sie die Staatsprüfung als Pianistin ablegte. Anschließend setzte sie ihre Studien in Paris fort (1933/34). Zurückgekehrt nach München unterrichtete sie Klavier, Violoncello, Kammermusik sowie Begleitung zu Gesang und rhythmische Gymnastik. Ihre Mutter bemühte sich im Sommer 1939 um eine Ausreisegenehmigung nach Kolumbien oder England - vergeblich. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde das fast aussichtslos. 1939 mussten Elsbeth und Hedwig Engelmann die Luisenstraße verlassen und am 25. Oktober 1939 in die Möhlstraße 30 ziehen, in das Haus, das dem Arzt Dr. Hans Herrmann gehörte und das 1939 zwangsenteignet wurde. Vermutlich wurden sie dort eingewiesen. Die jüngere Tochter Erika, verheiratete Bach, ist wohl noch rechtzeitig geflohen. Hedwig Engelmann wurde noch 1940 vom NS-Institut "zur Erforschung der Judenfrage" in einem Lexikon über "Juden in der Musik" als Klavier- und Viloncellolehrerin" erwähnt. Sie folgte der jüngeren Schwester vermutlich deshalb nicht ins Ausland, weil sie die alte Mutter nicht alleine lassen wollte. Am 4. April 1942 wurde Hedwig Engelmann in das Konzentrationslager in Piaski, Polen, deportiert und wahrscheinlich dort ermordet.

 

Völlig allein musste Elsbeth Engelmann inzwischen 72 Jahre alt ab dem 4. Mai 1942 im Milbertshofener Barackenlager an der Knorrstraße 42 leben und Zwangsarbeit leisten. Am 17. Juni wurde sie zunächst nach Theresienstadt und anschließend nach Treblinka deportiert und dort ermordet.

 

 

 

Literatur und Abbildungen:

Wolfram P. Kastner: auf einmal da waren sie weg ... Zur Erinnerung an Münchner Juden - ein Beispiel, das zur Nachahmung anregen könnte, München 2004, S. 76-77.