Gustav Ludwig (1876–1952)

Über Gustav Ludwig liegen nur spärliche Informationen und vage Fakten vor. Er wurde am 8. Juni 1876 in Brünn (heute Brno) in Mähren, das zu Österreich-Ungarn gehörte (heute Tschechien) geboren. Er studierte Architektur bei Hornbostel und J. Russel Pope in New York. Dass er wie sein älterer Bruder Alois in Brünn ebenfalls die Gewerbeschule besuchte, ist anzunehmen, aber nicht dokumentiert. Es gibt keinen Nachweis über eine Praxis nach Schulabschluss oder den Zeitpunkt seiner Abreise nach New York. Die Hinweise über sein Studium in Amerika sind irreführend, da sowohl Henry Hornbostel (18671961) als auch J(ohn) Russel Pope (18741937) kaum älter waren als er. Er konnte in ihren Ateliers als Mitarbeiter Praxis erwerben, war aber keinesfalls ihr Student, da sie nicht unterrichteten. Bei dem als Studienort angeführten Columbia könnte die Columbia-University in New York gemeint sein. In welchem Jahr Gustav Ludwig genau zurückkehrte, ist ungewiss (wahrscheinlich um 1907), doch scheint er bald mit seinem Bruder Alois, der sich in München als Architekt niedergelassen hatte, zusammengetroffen zu sein. Gemeinsam gründeten sie die Baufirma »Brüder Ludwig«, die sich zu einem florierenden Unternehmen entwickelte. Sie waren vor allem in Deutschland, aber auch in Südtirol tätig, wo sie eine Filiale betrieben. Alois Ludwig verfügte aus seiner Studienzeit über Kontakte in Wien, die zu einigen Aufträgen führten. Gustav Ludwig verstarb am 19. November 1952 76-jährig in München.

 

Gustav Ludwigs Bedeutung als Architekt ist nur durch das gemeinsam mit seinem Bruder Alois geführte Bauunternehmen »Brüder Ludwig« gegeben. Sein gestalterischer Anteil ist durch den Mangel an vergleichbaren Werken nicht möglich, alle bekannten Bauten sind gemeinsam mit Alois ausgeführt worden. Die Brüder Ludwig arbeiteten einerseits mit klassizierenden Elementen in Form eines sachlichen Bauens, waren aber auf der anderer Seite um eine Monumentalität bestrebt, die mit den gewählten Barockformen in Richtung eines Neo-Historismus zielte, was den damaligen restaurativen Tendenzen entsprach.

 

Bauten im Münchner Nordosten:

Thomas-Mann-Villa, Poschingerstraße 1

Villa Cuvilliésstraße 24

 

 

Sekundärquelle:

Biographisches Lexikon der böhmischen Länder. 4 Bde, Wien 1979ff.