Ernst Rattenhuber (18871951)

Der 1887 in München geborene Ernst Michael Rattenhuber schloss 1910 sein Studium in Weihenstephan als Diplomlandwirt ab und übernahm zwei Jahre später nach dem frühen Tod seines Vaters Franz Rattenhuber, zusammen mit seinem Bruder Walter, den elterlichen großen Bauernbesitz in Englschalking und Johanneskirchen. (Er wurde von der Familie auch zum Leiter der Wagnerschen Erbengemeinschaft berufen, der ein erheblicher Teil der Grundstücke im Münchner Osten gehörte).  Während des Ersten Weltkrieges war er zeitweise Ordonnanzoffizier des Prinzen Franz von Bayern. Diese Position ermöglichte ihm nach dem Krieg die Stelle des Verwalters von Gut Leutstetten. In der Weimarer Republik schloss sich Ernst Rattenhuber keiner Partei an, stand aber der Bayerischen Volkspartei nahe. 19331945 als landwirtschaftlicher Berater des Befehlshabers im Wehrkreis XIII und VII tätig, beteiligte sich Rattenhuber als Major an der Vorbereitung der Operation »Walküre«, der Planung des militärischen Umsturzes nach dem Attentat vom 20. Juli 1944. Zeitgleich hatte ein Cousin von Ernst Rattenhuber, SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Polizei Johann (Hans) Rattenhuber (1897–1957), im NS-Regime Karriere gemacht und war seit 1933 hauptverantwortlich für den Personenschutz von Adolf Hitler. Im Frühjahr 1945 erlebte er als Angehöriger der engsten Entourage von Hitler dessen letzte Lebenswochen im Berliner Führerbunker und schließlich seinen Suizid am 30. April mit.

Am 9. Mai 1945, also am Tage nach der Kapitulation, setzten die Amerikaner Ernst Rattenhuber als Direktor des Bayerischen Landesamtes für Ernährung und Landwirtschaft ein. Am 25. Mai 1945 beförderte ihn die für Bayern zuständige Militärregierung zum »Landesbauernvorsteher für Bayern mit der Verantwortlichkeit für die Organisation, Überwachung und Kontrolle der Landwirtschaft, der Nahrungsmittelbearbeitung, der Fischerei und des Jagdwesens«.

In gleicher Funktion wurde er von den Amerikanern dem Kabinett des Ministerpräsidenten Fritz Schäffer zugeordnet. Am Tag der Entlassung Schäffers, dem 28. September 1945, trat Rattenhuber von seinem Amt zurück. Im August 1945 war Rattenhuber Initiator der Gründung des Bayerischen Bauernverbandes und kurze Zeit später gehörte er zum Gründungskreis der CSU in München. Ab 15. Februar 1949 war er Mitglied des Wirtschaftsrates in Frankfurt und bewarb sich 1949 erfolglos um ein Bundestagsmandat. Am 16. November 1949 bestellte ihn der Ministerrat zum Bevollmächtigten Bayerns beim Bund mit der Dienstbezeichnung Staatsrat. Diese Funktion nahm er bis zu seinem Tod am 16. November 1951 wahr. Ernst Rattenhuber ist auf dem Friedhof der Kirche St. Nikolaus in Englschalking begraben.

 

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