Carl Riedl (1815 - 1871)

 

Der Königlich Geistliche Rat, Hofkaplan, Dekan und Distrikts-, Schul-Inspektor Riedl war von 1859 bis 1871 Pfarrer in St. Lorenz in Oberföhring. Zwei Jahre vor diesem Amtsantritt verfasste er eine Chronik über seine Geburtsstadt Kraiburg am Inn, vom Ordinariat der Erzdiözese in München und Freising erhielt er dazu die Erlaubnis in ihren Archiven Unterlagen für seine Arbeiten einsehen zu dürfen, was damals nicht jedem gestattet war. Des weiteren hatte er Zugang zur Königlichen Hof-Bibliothek. Bei der im Jahre 1863 im Sulzbache Kalender erschienenen Geschichte über "Des heil. Emmeram's Marter-, Sterbe- und ursprüngliche Grabes-Stätte zu Helfendorf, Feldkirchen und Aschheim und die ehemalige Eremitage Sanct Emmeram" hat Carl Riedl mitgewirkt. Begraben ist er auf dem Friedhof seiner Heimatgemeinde in St. Lorenz.

 

Pfarrer Riedl hat in seinen Aufzeichnungen über Oberföhring und St. Emmeram der Nachwelt ein eindrucksvolles, oft in recht plastischen Worten verfasstes Bild dieser Stadtteile und seiner Bewohner (in der Mehrzahl Bauern, Söldner, Tagelöhner, Handwerker und Dienstboten) in der Mitte des 19. Jahrhunderts verfasst. So beschrieb er zum Beispiel 1862 seine Gemeinde als "ein von Natur aus derbes Bauers- und Taglöhnervolk, das mit einem ziemlich weiten Gewissen behaftet ist." Als Ergebnis seiner "Gesammt-Anschauung des sittlichen Zustandes der Pfarrei" befand er über die Oberföhringer: "bei all ihrem Guten setzt ihre eigenthümliche Roheit und Eigenmotzigkeit den bitteren Beigeschmack ..."

 

 

 

Literatur und Abbildung: Karin Bernst, "Oberföhring. Das Dorf und seine Bewohner im 19. Jahrhundert", München 2000.