1912

 

 

Wilhelm Flaschenträger (18661930)

 

Der Ökonom, Ziegeleibesitzer und letzte Bürgermeister der Gemeinde Daglfing, Wilhelm Flaschenträger, wurde 1866 geboren. Sein Vater, Johann Flaschenträger, stammte aus Ginsheim (Kreis Groß-Gerau im Hessischen) und gehörte mit seiner Familie zu den ersten Protestanten in den zutiefst katholisch geprägten Ortschaften des Münchner Nordostens. Den Grundstock zu wirtschaftlicher Wohlhabenheit und sozialem Ansehen legte der Zuwanderer Johann Flaschenträger durch den günstigen Ankauf von enormen Lehmgründen zusammen mit seinem Jugendfreund Johann Pfeifer in Englschalking in den 1860er Jahren. Auf dem Grundstück Englschalking, Haus Nr. 15 (heute Englschalkinger Straße 199), errichtete er 1865 ein Wohnhaus mit Feldziegelei und 1876 einen Ringbrandofen. Im Januar 1889 wurde der  Besitz an die Söhne Heinrich und Wilhelm. Die Ziegelei war bis nach 1915 in Betrieb.

 

Wilhelm Flaschenträger konnte 1891 seinen Bruder "hinauszahlen" und die Ziegelei in der Englschalkinger Straße 199 weiterführen. Er brachte es aber über die wirtschaftliche Wohlhabenheit der "Loambarone" hinaus zu hohem sozialen Ansehen, denn von 1894 bis 1899 war er Gemeindebevollmächtigter von Daglfing, dann wurde er 1900 (nach dem Tod seines Vorgängers Johann Sedlmair) zum Bürgermeister der Distriktsgemeinde Daglfing gewählt. Ein Postkarte aus diesem Jahr zeigt das Dorf Englschalking in verschiedenen Ansichten, unter anderem auch die "Wohnung des Bürgermeisters".

 

 

 

 

Wilhelm Flaschenträger war ein großer Befürworter der Eingemeindung Daglfings nach München. NordOstKultur hat im April 2010 diesem Thema eine Ausstellung mit dem Titel "Vier Dörfer für München. Daglfing, Denning, Englschalking und Johanneskirchen und ihre Eingemeindung nach München 1930" gewidmet. Auf einer der Ausstellungstafeln waren ausführliche Informationen zu Wilhelm Flaschenträger zu finden. pdf-download Tafel 9

 

Am 30. Juli 1930, gerade ein halbes Jahr nachdem diese vollzogen worden war, verstarb Altbürgermeister Ökonomierat Wilhelm Flaschenträger. Er wurde in seinem Heimatfriedhof der Kirche St. Nikolaus in Englschalking bestattet. Seit 1930 ist nach ihm die Flaschenträgerstraße in Englschalking benannt.

 

 

 

Familie Flaschenträger, 1925

Wilhelm Flaschenträger mit Medaille

 

 

 

 

Text- und Bildquellen: Roland Krack: "Auf dem Weg zur Eingemeindung", in: "Dörfer auf dem Ziegelland"