Zollhaus Oberföhringer Straße 57 von Karin Bernst, Verein für Stadtteilkultur im Münchner Nordosten e.V.
Zollhaus Oberföhringer Straße 57 von Karin Bernst, Verein für Stadtteilkultur im Münchner Nordosten e.V.

Zollhäuser

Die Stadt München errichtete 1850 an den damaligen Burgfriedensgrenzen Aufsichtsstationen zur Kontrolle der städtischen Zoll- und Aufschlagsgefälle. Mit den Eingemeindungen schoben sich diese sogenannten „Pflasterzollstationen“ weiter hinaus, jeweils an die äußeren Burgfriedensbereiche. Die Erhebung des sogenannte Pflasterzolls geht auf ein Privileg der Herzöge Ernst und Johann aus dem Jahr 1394. Mit dem eingenommenen Geld wurde die „Bestreitung der Kosten der Herstellung eines Granitpflasters“, wie es im Bewilligungsschreiben des königlichen Staatsministeriums des Inneren 1878 lautet, beglichen. Die Höhe des Zolls richtete sich nach der Anzahl der mitgeführten bzw. getriebenen Tiere. Im Rahmen der Inflation der Jahre 1922/23 rentierte sich der Einzug des Pflasterzolls in vielen Gemeinden nicht mehr, er wurde kurz darauf vielfach abgeschafft. Wenige Ortschaften hielten ihn bis in die 1930er-Jahre aufrecht.

Im 13. Stadtbezirk gab es vier Zollhäuschen:

  • Station No. XV. an der Ismaninger Straße / Ecke Trogerstraße (1864 bis 1892 in Betrieb, danach abgebrochen)
  • Station No. XV. (neu) an der Oberföhringer Straße 57 (1892 bis 1923 in Betrieb, noch heute als Wohnhaus genutzt)
  • Station No. VI. an der Denninger Straße 162 / Ecke Weltenburger Straße, vormals Hausnummer Zamdorf 15 (ab 1893 in Betrieb, bis 1964 bewohnt, danach abgebrochen)
  • Station No. VII. an der Englschalkinger Straße 161, vormals Bogenhausen Nr. 87a (ab 1893 in Betrieb, bis 1964 bewohnt, danach abgebrochen

Die beiden Zollhäuschen in der Denninger und Englschalkinger Straße entstanden nach Plänen des Stadtbaumeisters Hans Grässel, der auch die Vorlagen für weitere elf Zollstationen an den Ausfallstraßen in München lieferte. Architektonisch zeichneten sich die Gebäude durch funktionelle Einfachheit aus, hatten sie doch ein bescheidenes Maß von etwa je zehn Metern Seitenlänge. Auf diesem einfachen Grundriss beruhend, waren die Stationen meist eingeschossig. Im Erdgeschoss lagen die Amtsstuben und darüber in der Mansarde befand sich die Wohnung für die Pflasterzollaufseher. Grässel holte sich für die äußere Gestaltung Anregungen beim privaten Hausbau seiner Zeit und so wirkten die Gebäude mit ihren Türmchen und Erkern, ihrer Bemalung und ihren tiefgezogenen Dächern und Vorgärten eher wie Villen im Kleinformat, denn als offizielle Grenzposten.

Text: Roland Krack, in: „Dörfer auf dem Ziegelland“, München 2002

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