Helmut Keller (19251983)

 

Geboren am 31. März 1925 in Sächsisch Regen (heute Reghin) in Rumänien wächst Helmut Keller in einer Fotografen-Familie auf. Mit 15 Jahren, 1940, tritt er selbst eine Lehre zum Fotografengehilfen im benachbarten Hermanstadt (heute Sibiu) an - er soll das Foto-Atelier seines Onkels übernehmen. Doch der Zweite Weltkrieg zerschlägt erst einmal alle Träume von der eigenen Selbstständigkeit. Zwar legt Keller die Gesellenprüfung 1943 ab, aber dann wird er einberufen und gerät in Kriegsgefangenschaft. 1945 entlassen, findet er seine Familie in Vöcklabruck in Oberösterreich wieder und schlägt sich dort mit Gelegenheitsarbeiten durch. 1951 heiratet er und geht ein Jahr später an die renommierte Bayerische Staatslehranstalt für Photographie. Die Aufnahmeprüfung hier bestanden zu haben, die Aussicht auf den Meistertitel und damit die Möglichkeit, ein eigenes Fotoatelier eröffnen zu können, lassen ihn finanzielle Entbehrungen und auch Einsamkeit ertragen, denn seine Frau mit dem gerade geborenen Sohn, müssen vorerst in Österreich bleiben. Während seiner Zeit an der Fotoschule entstehen einmalige Zeitdokumente vom München der Nachkriegszeit. Die Maronibraterin vor den Ruinen des Verkehrsministeriums, die Schlange der nach ein bisschen Vergnügen Hungernden vor einem "Aktualitäten-Kino" am Stachus, aber auch die pralle Lebensfreude im Münchner Fasching oder auf der Wiesn, in der man die Not dieser Jahre zu vergessen suchte - er hat alle Facetten meisterhaft eingefangen. Eines seiner Bilder schafft es auf die Titelseite eines Modemagazins und er gewinnt einen Foto-Wettberwerb des "Münchner Merkurs". Aber das Risiko als selbstständiger Fotograf in diesen Jahren ist hoch, die Familie hat Zuwachs bekommen und so entscheidet er sich trotz erfolgreich abgelegter Meisterprüfung, eine Stelle als Industriefotograf anzunehmen. Er baut ein Haus in Daglfing und arbeitet unter anderem bei Jos. Schwaiger's Witwe und schließlich bei Giesecke & Devrient am Vogelweideplatz. Einige wunderbare Schwarz-Weiß-Fotografien des Münchner Nordostens entstehen in den 1960er-Jahren. Nach langer Erkrankung stirbt Helmut Keller am 20. September 1983 in München. Seine Fotografien haben 2012 im Bildband »Momentaufnahmen. München 19521959« eine späte Würdigung gefunden.

 

 

 

 

 

Foto oben: Helmut Keller, um 1950 © hartwin keller / dietlind pedarnig