Prof. Benno Becker (18601938)

 

Als 23-Jähriger kommt der aus der baltischen Hafenstadt Memel (heute Klaipéda, Litauen) stammende jüdische Benno Becker nach München, wo er ab 1900 zu einem der angesehensten Künstler und Kunstkritiker werden wird. Er nimmt Malunterricht beim Schweizer Otto Fröhlicher (geht also nicht an die Akademie) und wohnt zunächst in Bahnhofsnähe, dann im Künstlerviertel Schwabing, in der Giselastraße – wo auch Lovis Corinth sein Atelier hat – dann zur Untermiete in der Schellingstraße. 1899 beteiligt sich Becker an einer Ausstellung der Deutschen Sezession, deren Gründungsmitglied und führender Kopf er wird. Die internationale Kunstzeitschrift »The Studio« vergleicht ihn mit Adolf Hölzel und Ludwig Dill, die in der Gegend um Dachau, dem »Barbizon von München« arbeiten. Becker setzt sich vehement für die damals umstrittenen Impressionisten ein und publizierte äußerst kritisch zum wilhelminischen Ausstellungswesen (»Schablonenmalerei«, »Verkaufsware«). Er malt vorrangig Landschaften, vor allem Sujets aus dem Raum Königsberg, Süddeutschland und der Toskana und erreicht damit große künstlerische Erfolge. Am 4. März 1902 wird er zum königlichen Professor ernannt, er darf sich als Freund des Kronprinzen Rupprecht bezeichnen und ist wie dieser Mitglied der Künstlergesellschaft »Allotria«. Er gehört vor den Bildhauern Hildebrand und Zumbusch, nach Stuck, Defregger und Lenbach zu den Bestverdienenden im Königreich Bayern. Im Sommer 1905 bezieht er eine imposante Villa mit Atelier am Isarhochufer, in der Maria-Theresia-Straße 26, unweit der herrschaftlichen Villa seines großen Kollegen Franz von Stuck. Ein Bildbericht in der Zeitschrift »Die Kunst«  über die Villa Becker preist den Bau als »herrlichen Frührenaissancebau«. Architekt ist Paul Ludwig Troost, der 1902 für die Familie Becker am Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee eine imposante Begräbnisstätte errichtet hat. Drei Jahrzehnte später wird er der Paradearchitekt der Nationalsozialisten in München sein ...

 

Becker verdient sich weitere Meriten, auch im Ausland. Er wird als Mitglied der Kommission für das Bayerische Nationalmuseum berufen und unterstützt die Stadt beim Erwerb der Lenbachsammlung. Er selbst nimmt unter anderem 1901 und 1911 an der Biennale in Venedig teil  und wird mehrfach ausgezeichnet, so ist er seit 1902 Träger des »Österreichischen Kaiserlichen Franz Joseph Kreuzes«, 1905 erhält er den bayerischen Orden  des Heiligen Michael IV. Klasse und drei Jahre später den Orden des Heiligen Michael III. Klasse. Noch zu Beckers 70. Geburtstag 1930 überschlagen sich Zeitungen und Laudatoren mit Lobeshymnen auf den jüdischen Künstler, so attestiert ihm zum Beispiel der »Völkische Beobachter« ein »Schauen mit deutschen Auge«. Auf der im Stadtarchiv München erhaltenen Meldekarte Beckers ist sechs Jahre später dann zu lesen:

 

»Becker Benno, Kunstmaler, Professor, verheiratet, wurde die Ausübung des Berufsfeldes Maler und Graphiker, sowie die Berufsbezeichnung Maler und Graphiker untersagt lt. Mitteilung Reichskammer der bildenden Künste vom 7.1.1936.«

 

Auf der Rückseite steht der Vermerk: »Franziska Becker geb. am 18.11.62 in Landshut ist Arierin.«

 

Benno Becker stirbt nach Aussage des »Neuen Münchner Tagblattes» nach »langem schweren Leiden« am 5. November 1938 in München - fünf Tage vor dem Novemberpogrom. Seine Bogenhauser Villa »übernimmt« der sogenannte Reichsleiter Martin Bormann. 1955 werden einige Gemälde Benno Beckers in einer Sammelausstellung des Lenbachhauses gezeigt, der Katalog geht jedoch nicht weiter auf den Lebenslauf des Künstlers ein.

 

 

 

 

Abbildung: Porträt Benno Becker, Ölgemälde von Lovis Corinth, 1892. Becker liest darauf die »Münchner Neuesten Nachrichten«, deren Herausgeber Georg Hirth die Sezession maßgeblich gefördert hat.

Text-Quelle: Albert Ottenbacher, URL: http://www.albert-ottenbacher.de/becker/Benno_Becker.pdf [zuletzt geöffnet am 15.1.2018]