Paul Ludwig Troost (18781934)

 

Troost studierte Architektur beim damals modernsten Architekten zu Beginn des 20. Jahrhunderts, Josef Hoffmann in Darmstadt, bevor er 1900 nach München umzog, da er eine Stellung als Büroleiter beim damals hoch angesehenen Architekten Martin Dülfer erhalten hatte. In diese Zeit fällt auch der Bau der Becker-Villa (1903) in Bogenhausen. Mit dem Entwurf dieser Villa und deren gesamter Innenausstattung machte sich Troost ab 1906 selbstständig. Im Bogenhausener Priel entwarf er 1909–1911 eine Villa mit Atelierhaus für den Maler Robert Gerhard Böninger in der Oberföhringer Straße 24 (abgerissen 1970). 1912 begann er für den Norddeutschen Lloyd Luxusschnelldampfer der Amerika-Linie einzurichten. Während des Ersten Weltkrieges stattete er Offiziersmessen und Gemeinschaftsräume auf Kriegsschiffen aus. Für den Bogenhauser Herzogpark baute Troost 1913 eine äußerst traditionelle, an ein kleines Schlösschen erinnernde Villa für den Privatdozenten Hans Kuplwieser in der Pienzenauerstraße 17, das als einziges seiner Wohnhäuser erhalten geblieben ist.

 

Ende der Zwanzigerjahre lernte er Adolf Hitler kennen, der ihn beauftragte, seine Wohnung am Prinzregentenplatz 16 einzurichten. Troost wird zum "ersten Baumeister des Führers" (eine Rolle die später Architekt Albert Speer übernehmen sollte). Ab 1933 begann er mit den Planungen zur Errichtung des sogenannten Führerbaus am Königsplatz und zeichnete verantwortlich für den Umbau des "Braunen Hauses" in der Brienner Straße (abgerissen, heute NS-Dokumentationszentrum). Gleichzeitig beschäftigter sich mit dem Ausstellungsbau des "Hauses der Deutschen Kunst" an der Prinzregentenstraße, für das im Oktober 1933 der Grundstein gelegt wurde. Paul Ludwig Troost starb aber noch vor Fertigstellung seiner Projekte am 21. Januar 1934. Sein Frau Gerdy Troost vollendete die Vorhaben ihres Mannes und wurde zur einflussreichen Beraterin Hitlers.

 

Der Stil von Troost griff vielfach auf Stilelemente und Versatzstücke seiner Dampfereinrichtungen und eines monumentalisierten Art Deco zurück. Er gilt als Vorbild für nationalsozialistische Repräsentationsbauten. Nach dem Tod des Architekten wurde in der NS-Zeit sein Werk kanonisiert.