"Heilmann'sche Immobilien-Gesellschaft"

 

Zwischen 1887 und 1893 erwirbt der selbstständige Bauunternehmer Jakob Heilmann planmäßig in München und seiner Umgebung über 230 Hektar (also 2,3 Millionen Quadratmeter) Grundbesitz. Im Jahr 1894 erfolgt der Erwerb des Gutes Menterschwaige und schließlich wird am 16. März 1897 die "Heilmann'sche Immobilien-Gesellschaft" gegründet. Den Aufsichtsrat bilden der Rentier Dr. Martin Eduard Arendt, Kommerzienrat und Konsul Max Bullinger, der königliche Geheime Hofrat und Rechtsanwalt Dr. Hermann Pemsel und Kommerzienrat Louis Weinmann. Vorsitzender des  Aufsichtsrats ist Jakob Heilmann, stellvertretender Direktor ist der Kaufmann Rudolf Rosa. Innerhalb kürzester Zeit wird die "Heilmann'sche Immobiliengesellschaft" zur erfolgreichsten Terraingesellschaft Münchens und die systematische Erwerbspolitik von Jakob Heilmann erreicht mir ihr ihren Höhepunkt. Bis 1900 werden weitere 10 Millionen Quadratmeter Grund in Bogenhausen, Nymphenburg, im Isartal, im Würmtal und am Starnberger See in Feldafing gekauft. Selbst die der Hochkonjunktur des Immobilienmarkt in den letzten fünf Jahren des 19. Jahrhunderts auf dem Fuß folgende Depression, die sich nach 1900 zu einer regelrechten Immobilienkrise ausweitet, kann den Erfolgen der "Heilmann'schen Immobilien-Gesellschaft" nichts anhaben.

 

Die stadtplanerischen Absichten, die Jakob Heilmann mit den Grundstückskäufen verband, hat er bereits in seiner 1881 erschienenen Veröffentlichung "München in seiner baulichen Entwicklung - ein Blick in deren Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft" verdeutlicht. Darin äußert er seinen Unmut über die Stadtvertretung, die ohne jeden Weitblick für die künftige Entwicklung der Stadt nur den augenblicklichen Bedürfnissen gehorche. Heilmann schlägt dagegen vor durch private Tätigkeiten und die Gründung von "Terrain-Gesellschaften" Lösungen für die Stadtplanung zu finden. Mit der Gründung der "Heilmann'schen Immobilien-Gesellschaft" setzt der Bauunternehmer seine Ideen zur Linderung der Wohnungsnot in die Praxis um, gleichzeitig gelingt es ihm mit dem Eingreifen in die städtische Bodenpolitik sein Bauunternehmen, Heilmann & Littmann, gewinnbringend auszuweiten.

 

Durch die Erschließungsmaßnahmen der "Heilmann'schen Immobiliengesellschaft" (ebenso wie die der anderen "Terrain-Gesellschaften" dieser Zeit) entstehen der Stadt und ihren Randbezirken erheblicher Nutzen. So etwa werden 1908 drei Millionen Quadratmeter Grund unentgeltlich für die Errichtung von Straßen und Plätzen abgetreten und rund 1.150.000 Mark für Straßenbauten und 105.000 Mark für Vermessungskosten bezahlt. Gleichzeitig verändert sie erheblich das Gesicht der Stadtteile, so wie etwa das von Bogenhausen, das zum vornehmsten und in seiner Ausdehnung einheitlichsten Wohnviertel im München der Prinzregentenzeit wird.

 

 

Reklamemarke um 1900

 

 

 

Literatur:

 

Abbildungen: