© dietlind pedarnig (2007)
© dietlind pedarnig (2007)

Diesel-Villa

Höchlstraße 2

Bogenhausen

Die hochherrschaftliche Villa in der Höchlstraße wurde 1899 bis 1901 im neubarocken Stil, von Max Littmann für Rudolf Diesel erbaut. Sie kostete den weltberühmten Ingenieur und Erfinder des nach ihm benannten Motors nicht nur wegen des teuren Grundstücks (allein für das 2.300 Quadratmeter große Grundstück gingen ungeheure 161.000 Mark an die Heilmann’sche Immobiliengesellschaft) ein Vermögen, auch die Errichtung des Gebäudes selbst verschlang weitere enorme Summen. Am Ende sollten es insgesamt 900.000 Mark sein, die der 42-jährige Bauherr in seine Villa inklusive Einrichtung investierte. Diesel stellte hohe Ansprüche: er veranlasste unter anderem den Bau doppelter Grundmauern, damit die Bodenfeuchtigkeit ferngehalten würde, Doppelfenster mit mechanischer Koppelung wurden eingesetzt, sodass sich beide Fenster gleichzeitig bewegen ließen. Neben allen technischen und innenarchitektonischen Raffinessen imponierte eine gewaltige Halle durch zwei Stockwerke mit umlaufender Galerie, ebenso ein prachtvolles Esszimmer mit Mahagonitäfelung und die Küche zählte zu den „schönsten Münchens“, wie der Sohn Diesels in seinen Memoiren festhielt.

Rudolf Diesel lebte bis zu seinem Freitod 1913 in der großbürgerlichen Traumvilla, deren Kosten und Unterhalt ihn unter anderem am Ende seines Lebens in den finanziellen Ruin trieb und von der er nur noch verbittert als dem „Mausoleum“ sprechen sollte. Heute wird sie von mehreren Parteien bewohnt.

In der Reihe „Villen-Neubauten in Bogenhausen, III“ berichtet die „Süddeutsche Bauzeitung“ am 7. Mai 1904:

Als dritter Bau in der Folge wurde von der Firma Heilmann & Littmann an der äusseren Prinzregentenstraße die Villa des Herrn Professor Stuck nach den Entwürfen dieses Künstlers ausgeführt. Weniger bekannt ist die in den Jahren 1899/1901 für Herrn Ingenieur Diesel erbaute Villa an der Ecke der Maria-Theresia- und Höchlstraße. In bevorzugter Lage, von grosser Gartenanlage umgeben, macht schon das Äussere in seinen ruhigen Barockformen einen gediegenen, vornehm abgeschlossenen Eindruck. Die Architekturteile der Fasaden sind hier uas gelbem Königsbacher Sandstein, die Wandflächen in grauem Terranova-Putz, Gebäudesockel, Pfeiler und Gitterschwellen der reichen Einfriedung aus werkseinmässig bearbeitetem Beton.

Das hochgelegte Erdgeschoss erhält um eine grosse zweigeschossige Diele gruppiert die Gesellschaftsräume, ein Gartenzimmer mit vorgelegter Gartenterrasse, Anrichte – am Entrée eine Garderobe und das Zimmer für den Sekretär. Im Obergeschoss sind Studier-, Schlaf-, Toilette- und drei Badezimmer angeordnet, ferner ein Billardzimmer, von der Dielentreppe aus direkt zugängig. Im Souterrain befinden sich Küche mit vercshiedenen Wirtschaftsräumen, eine Hausmeisterwohnung, die Heizanlage mit Kohlenräumen und der tiefer gelegte Weinkeller. In dem mit einigen Aufbauten versehenen Dachgeschosse sind um einen grossen Vorraum die Fremdenzimmer mit Bad und Toilette, die Mädchenzimmer, ebenfalls mit besonderem Baderaum, Wasch- und Bügelräume und der Trockenspeicher vorgesehen. Die nach der Nachbarseite (a.d. Höchlstrasse) verlegte Dienstbotentreppe führt durch alles Geschosse.

Die Innenräume sind auf das raffinierteste unter Verwendung der feinsten Marmor- und Holzarten, kostbaren Seidenbespannungen usw. ausgestaltet; alle diese Ausführungen zu spezialisieren, die hieran beteiligten Künstler und Firmen zu nennen, dürfte wohl zu weit führen und sprechen die zur Darstellung gebrachten Aufnahmen mehr als viele Worte.

Literatur:

  • Diesel, Eugen: Der Mensch, Das Werk. Das Schicksal, Hamburg 1937.
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