hpt © Verein für Stadtteilkultur im Münchner Nordosten e.V., 2008; auf dem Foto oben ist rechst neben dem "Bogenhauser Hof" das Wohnhaus zu sehen, das die alte Schlosserwerkstatt ersetzt hat.
hpt © Verein für Stadtteilkultur im Münchner Nordosten e.V., 2008; auf dem Foto oben ist rechst neben dem "Bogenhauser Hof" das Wohnhaus zu sehen, das die alte Schlosserwerkstatt ersetzt hat.

Bogenhauser Hof

Ismaninger Straße 85

Bogenhausen

Das unter Denkmalschutz stehende klassizistische Vorstadthaus mit seinem markanten, reich geschweiften Südgiebel, an der Ecke Ismaninger Straße / Ecke Hompeschstraße (ehemals Hausnummer 8) in Bogenhausen wurde um 1850 erbaut und ist bereits 1854 als sogenannte Tafernwirtschaft zugelassen. Die Gastwirtschaft hatte somit als „vollkommene Wirtschaft“ nicht nur das öffentliche Schenk-, Herbergs- und Gastrecht, sondern sie durfte auch Verlöbnismähler, Hochzeiten, Stuhlfeste, Tauf- und sonstige festliche Mähler ausrichten. Eine Tafernwirtschaft musste wandernde Handwerksgesellen beherbergen, zum Beispiel gegen handwerkliche Gegenleistung, sie hatte somit eine soziale Verpflichtung. Außerdem durfte der Wirt Wein ausschenken, mit dem früher jedes Rechtsgeschäft betrunken wurde. Am „Bogenhauser Hof“ endete 1896 die erste Pferdebahnlinie auf Bogenhauser Gebiet. Die „Gelbe Linie“ vom Max-Weber-Platz kommend fuhr bis zur Sternwartstraße und ihre Tramway-Wagen wurde hier vor der Gastwirtschaft, die zu jener Zeit aus einem Wirtschaftsgebäude und einem Wirtsgarten samt zwei Trinkhallen bestand, auf das andere Gleis zur Rückfahrt umgesetzt. Auch heute noch ist direkt am „Bogenhauser Hof“ eine Trambahnhaltestelle, die der Linie 18. Ihre Endhaltestelle ist allerdings jetzt, stadtauswärts fahrend, der Effnerplatz.

1888 erwarben der Tafernwirt von Oberföhring, Josef Schmid und seine Ehefrau Katharina, den stattlichen, auf einem Eckgrundstück stehenden Vorstadtgasthof um 35.000 Mark. Sie betrieben den „Bogenhauser Hof“ bis 1896. Im Zuge eines neuen Gesuches um eine Konzession erfährt man über die damaligen Zustände Folgendes: „Der Frauenabort ist nur durch eine 1,80 Meter hohe Wand vom Herrenabort getrennt und oben offen. Es gab je einen Sitz für Männer und Frauen, eine Wasserspülung ist nicht vorhanden.“

Die Gaststätte zeigte weitere erhebliche Abweichungen zu den vorgeschriebenen Bestimmungen, betreffend die Gasträume, die Aborte, den „Pißraum“ und den Keller. Dem neuen Pächter machte man mehrere Auflagen. So sollte der direkte Einblick in den „Pißort“ von der Straße aus durch eine neue Schutzwand verhindert werden. Der „Pißort“ war etwa 4 1/2 Quadratmeter groß, die „Pißrinne“ hatte eine Länge von 6 Metern und die Höhe der wasserdichten Zementwand (diese war mit besonderer Farbe angestrichen), maß 1,38 Meter. Wie schon bei den Aborten gab es auch hier keine Wasserspülung. Als Auflage sollte die neue Zementwand einen 2 1/2 Meter hohen Ölanstrich erhalten und es sollte eine Wasserspülung eingerichtet werden. Zudem sollte die Zwischenwand von Herren- und Damenabort bis zur Decke fortgesetzt werden.

Laut Kataster von 1915 gehörte zur Wirtschaft ein Wirtsgarten mit zwei Trinkhallen und im Keller befand sich neben dem Eiskeller ein Schlachthaus. Michael und Franziska Moosburger kauften den Besitz 1899 um 112.000 Mark von Josef Schmid. Bis zu seinem Tode im Jahr 1926 blieb Michael Moosburger Wirt in der Schankwirtschaft zum „Bogenhauser Hof“. Sein Nachfolger, der Metzger und Schankkellner Johann Baumberger (er arbeitete schon seit 25 Jahren im Betrieb), musste als neuer Pächter wiederum Auflagen für seine Konzession erfüllen. Die Abortanlage, die sich nicht einmal im Haus befand, war immer noch sehr primitiv. Zudem benutzten diese Toiletten auch die Bewohner der Rückgebäude. Die Besitzerin Franziska Moosburger stellte wiederholt Bitten an die Lokalbaukommission und den Stadtrat, sie von den geforderten baulichen Auflagen zu befreien. Mit Rücksicht auf die damaligen Verhältnisse wurde die Forderung, die Wirtschaftsabortanlage umzugestalten und zu verbessern, Jahr für Jahr bis auf weiteres zurückgestellt. 1935 begründete man diesen Umstand auch damit, dass früher oder später mit dem Abbruch des Anwesens gerechnet werden kann. 1936, mit einem neuen Pächterwechsel, erfolgten dann Verbesserungen durch die Bauführung der Pschorrbrauerei.

Als im Dezember 1926 Johann Baumberger die Erlaubnis zum Betriebe der Bierwirtschaft nebst Garten und der Befugnis zum Ausschank von Bier, Wein, Kaffee, Tee und Limonade beantragte, wurde er noch darauf aufmerksam gemacht, das ihm die Konzession entzogen werden würde, falls er nicht die erforderliche Zuverlässigkeit bewiese. Mangelnde Zuverlässigkeit konnte unter anderem sein: „Wenn er dem Trunke ergeben ist oder das Gewerbe zur Förderung der Schlemmerei und Völlerei (Übertretung der Polizeistunde, unbefugte Branntweinverleitgabe, Ausschank an Betrunkene usw.), des verbotenen Spiels, unlauterer Handelsgeschäfte (z.B. ungenügendes Einschenken) usw. missbraucht.“

Trotz der vielen baulichen Unzulänglichkeiten früherer Zeiten blieb die Gaststätte, seit 1951 im Besitz der Pschorrbräu AG, erhalten. Der „Bogenhauser Hof“ wurde 1983 und 1984 von Grund auf renoviert und erhielt ein Jahr später sogar den Fassadenpreis der Stadt München. Um so bedauerlicher ist es, dass sein direkter Nachbar, ein altes Bauernhaus und spätere Schlosserwerkstatt, dem Abriss nicht entgehen konnte. Für das Anwesen kam das erst 1973 in Bayern in Kraft tretende Denkmalschutzgesetzt – wie für so viele Münchner Bauten – zu spät. Im „Bogenhauser Hof“ hingegen genießen nicht nur die Stadtteilanwohner das heute geradezu elegant zu nennenden Ambiente.

Text:

  • Bernst, Karin: Ein Spaziergang durch den Münchner Nordosten. Historische Wirtshäuser im Stadtbezirk Bogenhausen, Kalender 2014.
Nach oben scrollen