»Belustigungsplatz in Oberföhring bey München«, Lithografie 1815. Es zeigt den Gastwirtschaftsbetrieb mit dem markanten Holzpavillon zum Tanzen. Aus: Schönes altes München, hrsg. vom Kreis der Freunde Alt-Münchens, München 1965.
»Belustigungsplatz in Oberföhring bey München«, Lithografie 1815. Es zeigt den Gastwirtschaftsbetrieb mit dem markanten Holzpavillon zum Tanzen. Aus: Schönes altes München, hrsg. vom Kreis der Freunde Alt-Münchens, München 1965.

Schlosswirtschaft

Oberföhringer Straße 107

Oberföhring

Die ehemalige Gaststätte »Beim Wirt« in Oberföhring (früher Haus No. 45) war eine der traditionsreichsten Münchens. Bereits 1778 bezeugt eine Kirchenrechnung der Pfarrei St. Lorenz eine Elisabetha Lindnerin als »geweste Wirtin« eines 1/4 Wirtshofs an dieser Stelle. Seine günstige Lage in Höhe der Einmündung der alten Salzhandelsstraße „An der Salzbrücke“ (in der Verlängerung des Salzsenderwegs) in die Hauptstraße Föhrings, der heutigen Oberföhringer Straße, lässt wohl ein noch viel früher florierendes Wirtsgeschäft vermuten.

Aus der »Schlosswirtschaft« (ab der Jahrhundertwende eventuell in Anspielung auf das 1900 in Oberföhring erbaute »Bernheimer Schlösschen« mit diesem Namen bezeichnet) wurde in unseren Tagen das »Hotel Bräupfanne«. 1983 initiierten hier im kleinen Kreis die Bundestagsabgeordneten Franz Handlos und Ekkehard Voigt die Gründung der Partei »Die Republikaner« (REP), die seit 2005 vom Verfassungsschutz nicht mehr als rechtsradikal eingestuft wird. Das Hotel mit Restaurant zur »Bräupfanne« existiert nicht mehr, die weitere Nutzung des Gebäudes ist unbestimmt.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entdeckten die Münchner die wunderbare Aussicht, die man von Oberföhring in Richtung München mit der Alpenkette im Hintergrund hatte. Man sprach vom berühmten »Föhringer Blick«, den viele Landschaftsmaler der Münchner Schule von Kobell bis Dillis festgehalten haben. An den sogenannten Föhringer Tagen, am Sonntag, Montag und Donnerstag, traf sich dann »Beim Wirt« mit seinem schattigen Wirtsgarten, dem Tanzpavillon, einem Karussell und einer hölzernen Schlange als Spielzeug für die Kinder, Münchens bessere Gesellschaft.

1860 bestand der Besitz »Beim Wirt« aus:

einem Wohnhaus mit Keller und Stallung, Stadel mit Remise und Stallung, Schlachthaus, Schenk- und Eiskeller

einem Gras-, Wurzgarten bei der Kegelbahn

einem Grasgarten

einem Wirtsgarten mit Tanzsaal und 4 Gartenhäuschen und Kegelbahnhäuschen und Kegelbahn

insgesamt 38,12 Tagwerk Grund und Besitz in Daglfing, Ismaning und Unterföhring

Carl Riedl, der unermüdlich sein Gemeindeleben dokumentierende Pfarrer von St. Lorenz, schrieb dazu: »In den Jahren 1820 – 1840 war das Gasthaus zu Oberföhring durch seinen freundlichen Wirtsgarten ein besonderer Anziehungspunkt der Münchner Welt. In den verschiedenen Bungalows und Häuschen fanden sich Freunde und Bekannte fröhlich zusammen, um für einige Stunden die augenblickliche Öde des Geschäftslebens mit Heiterkeit und Freude auszufüllen. Jeden Sonntag und Donnerstag bewegte sich im offenen Gartensalon der bunteste Tanzreigen. Das Spezifikum wonach dem einsam sitzenden Gelehrten wie der vollzählig angerückten Bürgerfamilie der Mund wässerte waren die besonders trefflich bereiteten und wohlfeilen „Brathändeln“. Die 1836 nach Augsburg und 185. nach Hessellohe errichtete Eisenbahn gab den Ausflügen der Städter eine andere Richtung. Am Sonntag 8. Mai 1870 hatte die patriotische Gesellschaft „Garde“ ein Maifest mit Musik und brillanten Feuerwerke, äußerst zahlreich besucht und von schönstem Wetter begünstigt. Oberföhring 12. März 1870.«

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erreichte die rasante Ausbreitung der Ziegeleinindustrie im Münchner Nordosten auch das Gasthaus »Beim Wirt«. Ein Ringofen mit Dampfkamin und ein Trockenstadel mit Lehmgrube und Trockenplatz wurden errichtet. 1880 ersteigerte die Münchner Ziegeleibesitzerin Walburga Fischer den Besitz. Sie konnte in diesem Jahr folgenden beeindruckenden Umsatz verzeichnen:

Wirtschaft 700 Hektoliter Bier

Metzgerei 40 Kühe, 20 Schweine, 52 Kälber

Ziegelei 1 Million Steine

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