Eine stattliche Gastwirtschaft befand sich bis zum Jahr 1999 in der Oberföhringer Straße auf dem ehemaligen Grundstück »beim Bragmayr« im Dorfzentrum von Oberföhring (Haus Nr. 9 ½). Auch dieses stolze Stück Münchner Wirtshaustradition ist, wie so viele andere, heute aus dem Stadtbild verschwunden und durch Appartementwohnungen ersetzt worden. Die beliebte Ausflugsgaststätte hatte nicht nur eine beheizbare, überdachte Kegelbahn und einen schattigen Wirtsgarten, sondern beherbergte auch die Königliche Postagentur (was den Komfort von Telegraf und Telefon im Haus zur Folge hatte) und war Station des Königlichen Postautos.
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Zur Post (ehem. Gasthaus)
Oberföhringer Straße 155
Oberföhring
Weiterführende Informationen
Das »Gasthaus zur Post« im Wandel der Zeiten

»Gasthof zur Post« im Jahr 1913; im Vordergrund zu sehen ist das Gebäude für die Kegelbahn, die viele Wirtschaften Anfang des 20. Jahrhunderts zur Belustigung der Münchner Ausflugsgäste boten. Es war ein harter Konkurrenzkampf um die zahlende Kundschaft ausgebrochen, da es Mode geworden war, sich vor den Toren der Stadt »auf dem Land« zu amüsieren und die Wirte musste schon etwas mehr als einen Biergarten bieten, um mithalten zu können. So etwa gab es in der naheliegenden »Schlosswirtschaft« in Oberföhring damals gar einen eigenen Pavillon für den Tanzboden und eine große Holzschlange als Kinderspielplatz. Aber nur die Kegelbahn von der »Post« konnte den Luxus einer überdachten und beheizten Kegelbahn anbieten.

Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs und vor der Eingemeindung nach München ließ der damalige Bürgermeister von Oberföhring, Fritz Meyer, das Dorf für eine Ansichtskartenserie ablichten und hat damit ein unschätzbares historisches Dokument geschaffen. Auf einem der Fotografien ist auch der »Gasthof zur Post« zu sehen. Wie bei bayerischen Wirtschaften auf dem Lande üblich, stand er in unmittelbarer Nähe zur Kirche und bot mit seinen schon damals mächtigen Kastanien einen schattigen Wirtsgarten.

Das »Gasthof zur Post« im Jahr 1920. Noch steht das Gebäude nahezu unverändert …

Am »Gasthof zur Post« ziehen die Veteranen vorbei (1920). 1926 erfolgen bauliche Veränderungen, im Haus befindet sich jetzt eine »Postexpedition«.

Parade auf der Oberföhringer Straße mit »Münchner Kindl« zu Pferde aus Anlass der 60-Jahrfeier der Freiwilligen Feuerwehr Oberföhring im Jahr 1931. Im Hintergrund der »Gasthof zur Post«.

»Gasthof zur Post« um 1940; das Gebäude wurde um eine Etage aufgestockt.

Die gleiche Aufnahme 1941 mit Fahnenschmuck der Nationalsozialisten

Oktober 1943 mit Postbus. Zu diesem Zeitpunkt staatliches Verwaltungsgebäude (Arno Fischer Forschungsstätte GmbH)

Das »Gasthaus zur Post« an der Oberföhringer Straße im Jahr 1943. Gegenüber, verdeckt durch das Haus rechts (im »Dritten Reich« ein Luftschutzkeller), die Einmündung der Johanneskirchner Straße. Dahinter ist der stattliche Hof »Beim Esterhiesl« (Johanniskirchner Straße 1) zu sehen. Während der 1940er-Jahre beherbergte das Gebäude auch Teile der Verwaltung der Arno Fischer Forschungsstätte GmbH.

Jetzt mit Bemalung statt Fahne …

Und das Ende: Abbruch der Gastwirtschaft inklusive Sgrafitti-Malerei mit Postkutsche 1999 durch den neuen Besitzer (seit 1963 die Stadtsparkasse).

Blick auf das Gebäude der Stadtsparkasse, Oberföhringer Straße 155. Vor dem Gebäude verläuft die Straße St. Emmeram (der von den Oberföhringern heute noch »Poststeg« genannte Weg vom Isarhochufer hinunter zur St. Emmeramsmühle).