Katholische Kirche St. Georg Fotos © dietlind pedarnig
Katholische Kirche St. Georg Fotos © dietlind pedarnig

St. Georg Katholische Kirche

Bogenhauser Kirchplatz 1

Bogenhausen-Neuberghausen

St. Georg am Bogenhauser Kirchplatz ist vermutlich die älteste Pfarrkirche Münchens. Sie war bis in die 1930er Jahre der geistliche Mittelpunkt des Stadtteils Bogenhausen. Mit der Eingemeindung von Bogenhausen in die Stadt München 1892 wuchs die Einwohnerzahl des Stadtteils rasch an, sodass der Architekt Hans Döllgast mit der Ausarbeitung von Plänen zur Erweiterung von St. Georg beauftragt wurde. Die Diözese entschloss sich dann aber doch zu einem Neubau in der Scheinerstraße. Ab 1934 hat die Kirche Heilig Blut die Aufgabe von St. Georg als Pfarrkirche übernommen.

Ihr jetziges Aussehen erhielt St. Georg in den Jahren 1766 bis 1771 nach Plänen des berühmten Münchner Stadtbaumeisters Johann Michael Fischer. Sie zählt mit ihrer Innenausstattung zu einem Juwel bayerischer Rokokokunst. Westlich der Kirche, in der Neuberghauser Straße 9, liegt das 1705 errichtete Pfarrhaus von St. Georg mit seinem barocken Satteldach, ihm gegenüber das zum Gedächtnis an Pater Delp errichtete Denkmal.

St. Georg war seit 1357 dem Stift St. Veit in Freising inkorporiert, es ist aber anzunehmen, dass bereits weit früher ein Kirchenbau existierte. Teile dieser romanischen Pfarrkirche haben sich bis heute in Teilen der Langmauern und im Turm erhalten. 1766 bis 1768 wird das gotische Kirchlein dann im Rokokostil umgestaltet und gleicht sich so dem gegenüberliegendem Schloss Neuberghausen an, das sein Besitzer Graf Törring-Seefeld bereits vier Jahre zuvor zum Rokokoschlösschen umbauen ließ. 1771 erhält der bis dahin mit einem Spitzdach versehene Turm seine charakteristische „Zwiebelhaube“. Der berühmte Münchner Baumeister Johann Michael Fischer erstellte zwar noch einen Kostenvorschlag, und erarbeitete Pläne, aber vermutlich hat sein Polier Balthasar Trischberger den Umbau geleitet und das Vorhaben realisiert. Entgegen ihrem schlichten Äußeren ist sie innen ganz dem Zeitgeist des Barock gemäß prächtig ausgestattet. Zu nennen sind die Fresken von Johann Philipp Helterhof, der Hochaltar von Johann Baptist Straub sowie die Seitenaltäre und die Kanzel von Ignaz Günther.

1933 wird das »Georgskircherl« von Umbau- bzw. sogar Abrissplänen bedroht. Erst eine von den Künstlern Heinrich Düll und Georg Pezold initiierte »Bürgerinitiative« kann mit den in den Einzelhandelsgeschäften Bogenhausens gesammelten Unterschriften diese verhindern. Die Einschaltung des Bogenhauser NS-Stadtrats Schiedermeier führt dazu, dass die nationalsozialistische Führung diese Angelegenheit politisch ausschlachtet. Gauleiter Adolf Wagner spendet persönlich Geld und veranlasst den NS-Oberbürgermeister Karl Fiehler zur Schenkung eines Bauplatzes an der Scheinerstraße seitens der Stadt München für einen Kircheneubau (Pfarrkirche Heilig Blut).

1969 bis 1970 wird das Innere des Kirchenraums renoviert. Der Bildhauer Klaus Backmund erhält den Auftrag zur Erstellung eines neuen Ambos (1972).

Bei der Gesamtrenovierung 1997 bis 2001 entsteht von ihm ein Altar und Sedilien (2000). Heute ist das St. Georg vor allem für seinen Friedhof bekannt, auf dem viele Prominente beerdigt sind.

Literatur:

  • „München-Bogenhausen. Ehem. Pfarrkirche St. Georg“, Schriftenreihe „Kleine Kunstführer“ Nr. 57, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 20024.
  • Norbert Lieb: „St. Georg in München-Bogenhausen. Historische Kirche und berühmter Friedhof“, München 1987.
  • Steiner, Peter B. in: Hildmann, Andreas / Jocher, Norbert (Hg.): Die Kirchen Münchens. Architektur – Kunst – Liturgie, München 2008, S. 129-133.
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