Straßenbaukolonne an der Mauerkircherstraße, 1912; Scan aus: Karl, Willibald (Hg.): Der Herzogpark. Wandlungen eines Zaubergartens, München 2000, S. 81
Straßenbaukolonne an der Mauerkircherstraße, 1912; Scan aus: Karl, Willibald (Hg.): Der Herzogpark. Wandlungen eines Zaubergartens, München 2000, S. 81

Mauerkircherstraße

Bogenhausen-Herzogpark

1904 begann die »Terrain-Aktiengesellschaft Bogenhausen-Gern in München« mit der Herstellung von Straßen in dem von ihr vier Jahre zuvor erworbenen »ehemaligen Karl Theodor’schen 389,3 Tagwerk großen Park« in Bogenhausen, dem sogenannten Herzogpark. Es handelte sich bei diesem Gebiet um die gewaltige Fläche von umgerechnet 1,3 Millionen Quadratmetern im landschaftlich reizvollen Münchner Nordosten, das sich von der Max-Joseph-Brücke bis nach Oberföhring erstreckte. Eine unglaubliche Immobilie mit einem ungeheuren Potential an Wertsteigerung …

Die Profile der neuen Straßen waren von der Gesellschaft nach den Maßgaben des Stadtbauamtes auszuführen. Die von der Lokalbaukommission geforderte »Straßenplanie 2 m über dem Grundwasserstande“ ergab sich durch die Nähe der Isar. Sobald die Isar Hochwasser führte, stieg das Grundwasser, weil – wie im Magistrat ausführlich dargelegt wurde –« der Stand des Isarwassers einen Rückstau des Grundwassers verursacht. Die Lage der Straßen richtete sich aber auch nach der Höhenlage der Zufahrtsrampen für die geplante Brücke, die die »Terrain« als Verlängerung der Leonhard-Eck-Straße über die Isar bauen wollte. Die Mauerkircherstraße sollte von zwölf auf zehn Meter verschmälert werden, unter der Bedingung, dass die zwei Meter den Trottoiren zugeschlagen werden dass außerdem auf der Ostseite der Haupteinfahrt, ebenso wie auf der Westseite, eine Baumbepflanzung hergestellt wird.

Die Bebauung entlang der Straßen sollte im südlichen Teil geschlossen, vorrangig mit Mietshäusern, im nördlichen Teil in offener Bauweise mit freistehenden Villen erfolgen. Begonnen wurden mit den geplanten Baumaßnahmen im Jahr 1906. Eines der ersten Häuser war die vom Architekten Max Langheinrich errichtete »Restauration mit Bierstube« in der Mauerkircherstraße 2, das Gasthaus »St. Franziskus«. 1907 erfolgte eine weitere Wertsteigerung des Gebietes durch die Weiterführung der Trambahnlinie 30 (heute Linie 18) bis zur Montgelasstraße, die das neue Wohnbaugebiet im Herzogpark jetzt eng an die Stadtmitte anband: »Vornehmste Villenlage, 2 km vom Stadtzentrum« – so lautete der Werbeslogan der »Terrain«.

Einen kleinen Pferdefuß hatte die »vornehme Lage« aber dennoch: es gab keine Kanalisation. Erst 1912 leitet die Stadt die Planungen dazu ein. Und im November 1912 bittet Freiherr von Gumppenberg, der Vorsitzende des Aufsichtsrates der »Terrain« den Stadtmagistrat eindringlich, den Hauptkanalstrang in der Mauerkircherstraße zumindest bis zur Leonhard-Eck-Straße zu führen, wenn die gesamte Ausführung des Kanals bis zur Fähre in Oberföhring derzeit noch nicht möglich sei, um den unhaltbaren Zuständen der Versitzgruben endlich ein Ende zu bereiten.

In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg bis heute hat sich der Bogenhauser Herzogpark den Ruf des Stadtviertels der Prominenten und Reichen erhalten. Oftmals schaut der Münchner ein wenig skeptisch auf diesen Menschenschlag, wenn er ihn als die »Herzogparkler« bezeichnet …

Überblick der einzelnen Hausnummern der Mauerkircherstraße

Mauerkircherstraße 1a (Villa, Architekt Ludwig Grothe)

Mauerkircherstraße 2 (ehemalige Gaststätte »St. Franziskus«)

Mauerkircherstraße 3

Mauerkircherstraße 4

Mauerkircherstraße 5

Mauerkircherstraße 6

Mauerkircherstraße 7

Mauerkircherstraße 8

Mauerkircherstraße 9

Mauerkircherstraße 10

Mauerkircherstraße 11

Mauerkircherstraße 12 (Etagenhaus, Architekt Andreas Papst)

Mauerkircherstraße 13 (Etagenhaus, Wohnung Thomas Mann, Architekt Max Neumann)

Mauerkircherstraße 14

Mauerkircherstraße 16 (Etagenhaus, Architekt Eugen Drollinger)

Mauerkircherstraße 20

Mauerkircherstraße 22

Mauerkircherstraße 24

Mauerkircherstraße 26

Mauerkircherstraße 28

Mauerkircherstraße 29 (Etagenhaus, Architekt Ludwig Grothe)

Mauerkircherstraße 31 (ehem. Verwaltungsgebäude Mittlere Isar AG, Architekt Martin Dülfer)

Mauerkircherstraße 35

Mauerkircherstraße 37

Mauerkircherstraße 39 („Drillingshaus“, Architekt Paul Böhmer)

Mauerkircherstraße 40 (ehemalige Restauration „Herzogparkquelle“)

Mauerkircherstraße 41 („Drillingshaus“, Architekt Paul Böhmer)

Mauerkircherstraße 43 („Drillingshaus“, Architekt Paul Böhmer)

Mauerkircherstraße 45 (Villa Oordt, Architekt Eugen Drollinger)

Mauerkircherstraße 46

Mauerkircherstraße 48 (Villa Woerner, Architekt Carl Jäger)

Mauerkircherstraße 52 (Fanderl-Wastl-Schule)

Mauerkircherstraße 54 (Villa, Architekt Richard Steidle)

Mauerkircherstraße 55

Mauerkircherstraße 59 (Villa)

Mauerkircherstraße 67 (Villa)

Mauerkircherstraße 70

Mauerkircherstraße 71

Mauerkircherstraße 73

Mauerkircherstraße 76 (Villa)

Mauerkircherstraße 78

Mauerkircherstraße 79 (Villa)

Mauerkircherstraße 87

Mauerkircherstraße 168 (Brunnen, Rolf Nida-Rümelin)

Mauerkircherstraße 171 (Brunnen, Georg Brenninger)

Transformatorenhäuschen, um 1910, auf der Höhe Nr. 73 und Nr. 103

Textquelle:

Karl, Willibald (Hg.): Der Herzogpark. Wandlungen eines Zaubergartens, München 2000

Liste der Baudenkmäler:

Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

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