Die Ziegelei Sedlmair, Bauplatz des späteren Zwangsarbeiterlagers an der Lohengrinstraße in östlicher Richtung gesehen, in der Mitte des Bildes, rechts daneben die Lagerbaracken, rechts hinten die Lohengrinkaserne (heute Prinz-Eugen-Kaserne) an der Cosimastraße.
Die Ziegelei Sedlmair, Bauplatz des späteren Zwangsarbeiterlagers an der Lohengrinstraße in östlicher Richtung gesehen, in der Mitte des Bildes, rechts daneben die Lagerbaracken, rechts hinten die Lohengrinkaserne (heute Prinz-Eugen-Kaserne) an der Cosimastraße.

Lohengrinstraße

(An der Salzbrücke 30)

Oberföhring

ehemalige „Ziegelei Sedlmair“

1894 erbauten Paul und Anna Sedlmair auf ihrem Grundstück An der Salzbrücke 30 in Oberföhring eine Ziegelei mit einem Ziegelbrennofen, Stall und Stadel mit Knechtkammer sowie drei Trockenstadeln. In den folgenden Jahren erweiterten sie durch Ankauf weiterer Grundstücke ihren Besitz und die Gebäude ihrer Ziegelei, unter anderem mit einem Arbeiterwohnhaus. 1919 verkauften die Sedlmairs diese Ziegelei mit 8,177 ha Grund an die Heilmann & Littmann GmbH. Diese erweiterte die Ziegelei 1920 mit umfangreichen Neubauten. Es entstanden ein Ziegelbrennofen mit angebauter Arbeiterwohnung, ein Maschinenhaus mit angebautem Wächterhaus, ein Ziegeltrockenstadl, ein Pferdestall mit Schlafraum, ein Stadl, ein Umspannungshäuschen sowie Trocken- und Lagerplatz und ein Hofraum. Die Ziegelei wurde 1934 stillgelegt.

Ehemaliges Kriegsgefangenenlager

(Lohengrinstraße)

1938 wurden die zwischen Effner-, Lohengrin- und An der Salzbrücke gelegenen Grundstücke samt der darauf stehenden ehemaligen Ziegelei von Paul Sedlmair an das Deutsche Reich (Reichsfiskus – Luftfahrt verkauft. Die Lagerhallen der bereits 1934 still gelegten Ziegelei wurden zu Wohnzwecken umgebaut und weitere Baracken aufgestellt. Sie dienten später zur Unterbringung von Kriegsgefangenen.

1943 bezog die Kriegsgefangenen-Bau-Arbeitskompanie 3, Braunschweig, das Gefangenenlager Oberföhring mit einem Aufnahmevermögen von 300 bis 450 Personen. Das Dachdecker-Bataillon V, 1. Kompanie mit 133 Personen traf im Oktober 1943 ein, davon wurden 62 ein Jahr später im Oktober 1944 nach Nürnberg abgezogen. Bei den Kriegsgefangenen handelte es sich laut Erzählungen um Franzosen. Im Sommer 1943 stellten die rund 21 000 Kriegsgefangenen im Arbeitsamtsbezirk München mehr als ein Viertel der ausländischen Bevölkerung. Für die Münchner Wirtschaft bildeten sie ein begehrtes Arbeitskräftepotential. Die Arbeitsbereitschaft gerade der französischen Gefangenen war, wie die meisten Arbeitgeber übereinstimmend berichteten, anfänglich außerordentlich hoch.

Nach der Beschlagnahmung aller militärischen Gebäude durch die Amerikaner 1945 wurden die Baracken des Arbeitslagers für einige Monate als Arresträume genutzt, danach wurden dort Flüchtlinge untergebracht. Vor allem kinderreiche Familien erhielten ein provisorisches Zuhause, darunter auch viele evangelische Zuzügler – die erste zahlenmäßig bedeutende evangelische Gemeinde in Oberföhring. In einer alten Baracke fand ab dem Jahr 1955 Religionsunterricht für die evangelischen Kinder statt. Das Lager wurde ab dem Jahr 1957 aufgelöst.Quellen:

„Das Zwangsarbeiterlager an der Lohengrinstraße“, in: Der Bürgerpark Oberföhring, Verlag NordOstKultur München, 2004.

Zur „Zwangsarbeit in München“: „Ort und Erinnerung. Nationalsozialismus in München“, hrsg. von Winfried Nerdinger, 2006

Quellen:

„Das Zwangsarbeiterlager an der Lohengrinstraße“, in: Der Bürgerpark Oberföhring, Verlag NordOstKultur München, 2004.

Zur „Zwangsarbeit in München“: „Ort und Erinnerung. Nationalsozialismus in München“, hrsg. von Winfried Nerdinger, 2006

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