1903 bis 1918
Nach einem ersten verbürgten Trabreiten auf der Theresienwiese 1847 entstanden in München mehrere kleine Trabersportvereine in Schwabing, Haidhausen, Sendling und Laim, die auch außerhalb der Wiesnzeit Rennen veranstalteten, so zum Beispiel auf der Leopold-/Ludwigstraße oder dem Oberwiesenfeld (heute Olympiapark). Später nutzte man mit den Galoppern eine Bahn in Friedenheim, nahe der Fürstenrieder Straße. Ende des 19. Jahrhunderts regte der Gastwirt Franz Burgauer (nach ihm wurde 1955 die Burgauerstraße in Daglfing benannt) an, diese kleinen Vereine zusammenzufassen, eine eigene Rennbahn einzurichten und den Trabersport nach einem geordneten System abzuhalten. Zusammen mit 28 Interessierten gründete er zurächst eine Terraingesellschaft, die für 20.000 Mark den Großteil der Fläche in der Nähe der damaligen Bahnstation Zamdorf erwerben konnte, auf dem noch heute die Trabrennbahn Daglfing steht. Am 21. Juni 1902 gründete Burgauer den »Münchner Trabrenn- und Zuchtverein« (MTZV) mit dem ersten Vorsitzenden Fritz Roth. Noch im Gründungsjahr konnten unglaubliche 300 Mitglieder verzeichnen werden.
Für die Errichtung der Mitgliedertribüne und weitere für das Abhalten von Rennen nötiger architektonischer Element wurde Baumeister Xaver Heininger geholt (er hatte zur damaligen Zeit für mehrere große Mietshäuser vor allem in der Schwanthalerhöhe und in Neuhausen verantwortlich gezeichnet). Architekturpläne zur neuen Rennbahn München-Zamdorf (später erst München-Daglfing) finden Sie in der Bildergalerie.
Bereits drei Monate nach Vereinsgründung fand in Anwesenheit der Kronprinzen Ludwig (des späteren Königs Ludwig III.), und Franz von Bayern, am Kirchweihtag, 19. Oktober 1902, bei miserablem Wetter der Eröffnungsrenntag statt, dem am 26. Oktober ein weiteres Rennen folgte, diesmal in Anwesenheit von Prinz Alfons von Bayern und dem Offizierskorps der »königlich bayerischen Equitation« im Gefolge. Den Eröffnungspreis gewann gleich ein Außenseiter, Beatus in Rekordzeit von 1:50,6 und bescherte seinen wenigen Anhängern eine stattliche Quote von 246:10. Gewinner der beiden folgenden Rennen war das MTZV-Mitglied Johann Kaupper, Gestütsherr des »Lindenhofs« (Maläßkircherstraße 1, im alten Dorfkern Daglfings), der ältesten bayerischen Traberzuchtstätte.
1903 wurde das erste »Herrenfahren« und zur Unterhaltung des Publikums ein Droschkenfahren sowie das erste Amateur- und ein Münchener Fiakerfahren (»zweispännig im vorschriftsmäßigen Phaeton mit Nummer zu fahren«) neu eingeführt und zum ersten Male das »Bayerische Zuchtrennen« über eine Länge von 2200 Meter entschieden, das bis 1933 fester Bestandteil des Daglfinger Programm werden sollte. Auch das bald verhängte öffentliche Wettverbot für Nichtvereinsmitglieder konnte – wie schon 1881 in Preußen – nicht lange aufrecht erhalten werden und das Schwarzwetten wurde auch durch eilig errichtete Holzzäune vor den Kassenschaltern nicht verhindert.
In den ersten Jahren gab es bedeutend weniger Renntage als heute (1903 nur acht Rennen). Nach der Eröffnung des Daglfinger Bahnanschlusses 1909 wurde die Rennbahn zum beliebten Ausflugsziel der Münchner und der MTZV wurde zum wichtigsten Steuerzahler der bis 1930 selbstständigen Gemeinde Daglfing. Im gleichen Jahr baute der Verein auch eine neue Tribüne für 1000 Zuschauer (54 Meter Länge und 14 Meter Tiefe mit Hofloge, Veranda und Restaurationsbetrieb samt Musikpavillon und Gabentempel) und die neue Anlage entwickelte sich zu einem beliebten Ziel vor den Toren der Stadt. Für die Münchner waren Daglfing und die Trabrennbahn bald ein fester Begriff.
Und Daglfing expandierte in den Vorkiegsjahren weiter: 54.000 Besucher sahen 1911 an 17 Renntagen 115 Rennen mit einer Preisgeldausschüttung von 208.000 Mark, dass Totalisatorgebäude musste vergrößert werden, die Restauration erhielt schützende Glaswände, vier Sulkyremisen wurden gebaut und in Zamdorf eine Deckstation für 54 Stuten errichtet. Wieder war es Franz Burgauer, der nach mehreren Todesfällen in den Vorstandsreihen des Vereins, dessen Führung übernahm und durch die schwierigen Kriegs- und Nachkriegsjahre manövrierte. Mitten im Krieg – 1916 – startete man in Daglfing das 1000. Rennen, 1918 zählte man nur noch drei Renntag
Bereits drei Monate nach Vereinsgründung fand in Anwesenheit der Kronprinzen Ludwig (des späteren Königs Ludwig III.), und Franz von Bayern, am Kirchweihtag, 19. Oktober 1902, bei miserablem Wetter der Eröffnungsrenntag statt, dem am 26. Oktober ein weiteres Rennen folgte, diesmal in Anwesenheit von Prinz Alfons von Bayern und dem Offizierskorps der »königlich bayerischen Equitation« im Gefolge. Den Eröffnungspreis gewann gleich ein Außenseiter, Beatus in Rekordzeit von 1:50,6 und bescherte seinen wenigen Anhängern eine stattliche Quote von 246:10. Gewinner der beiden folgenden Rennen war das MTZV-Mitglied Johann Kaupper, Gestütsherr des »Lindenhofs« (Maläßkircherstraße 1, im alten Dorfkern Daglfings), der ältesten bayerischen Traberzuchtstätte.
»Silbernes Pferd« – Blütezeit der Trabrennbahn 1934 bis 1945
Bis in die 1920er-Jahre hinein hatte Daglfing keine überregionale oder gar internationale Bedeutung. Das änderte sich erst ab 1922, als auch Fahrer aus Berlin und Hamburg zum neu geschaffenen »Großen Preis von Bayern« nach München kamen. Doch Mitte der 1920er-Jahre gingen die Umsätze infolge der Arbeitslosigkeit zurück. München war wieder Traberprovinz. Die besten bayerischen Fahrer starteten lieber in anderen Städten, in denen es höhere Preisgelder gab. Die Auswirkungen der Krisenjahre, der Schuldenstand von 107.344 Mark und das neue NS-Regime führten schließlich 1934 zum Sturz der überalterten (böse Zungen sprachen von zusammen 1000-jährigen) Vorstandschaft. Der Gründer und langjährige Vorsitzende Franz Burgauer wurde nach einem belastenden Revisionsbericht mit nur zwei Gegenstimmen (seiner eigenen und der seines Neffen, Dr. Ludwig Burgauer, seit 1928 Schriftführer), aus dem Verein ausgeschlossen. Nach einer kurzen Übergangszeit unter dem Altparteigenossen Oberregierungsrat Hans Ebner (seit 3. März 1934 als kommissarischer Leiter, als »Vereinsleiter« seit dem 25. Juli 1934) leitete sein bisheriger Vertreter, der am 9. März 1935 wieder vom Verein gewählte Verleger August Sexauer, auch Gründer der Fachzeitung »Herold«, tatkräftig den unstreitigen Aufschwung des Pferdesports in den folgenden Jahren ein.
In nur zwei Jahren schuf er Bedeutendes: die Einführung des ganzjährigen Rennbetriebs und der Abendrennen durch den Einbau der modernsten Flutlichtanlage Europas der Firma Siemens-Schuckert, den Bau des »Teehauses«, eines modernen verglasten Restaurationsbetriebs mit Dachterrasse, die Ausschreibung des »Internationalen Traberaufrufs«. Das zweite Halbjahr 1936 erbrachte an 66 Renntagen bei 585 Rennen einen Umsatz von 5,3 Millionen Mark und fast 1 Million Preisgelder. Trotz einer bewusst gepflegten guten Nachbarschaft zur stark frequentierten Galopprennbahn in Riem (Domäne des korrupten NSDAP-Funktionärs, SS- Brigadeführers und Kreistagspräsidenten Christian Weber) – in Riem wurden 1934 Trabrennen auf Gras durchgeführt – wurde Sexauer im September 1936 mit Polizeidirektionsbeschluss »wegen seiner gegnerischen Einstellung« des Amtes enthoben und zunächst durch den SA-Brigadeführer Hans Bunge ersetzt. Ihm folgte am 9. Oktober 1936 der Verlagsdirektor Max Mender als »Vereinsleiter«. Dessen Vereinsaufnahme habe Sexauer verhindern wollen, auch habe er im Januar 1933 einen Pferdezüchter wegen dessen NSDAP-Beitritt im »Herold« angegriffen. Bereits am 21. April 1936 war bei einer Generalversammlung das Vereinsmitglied Georg Riedl wegen Vereinsschädigung und Gefährdung der Zusammenarbeit mit dem Münchner Rennverein in Riem auf Antrag der Mitglieder Hans Ebner und Georg Paulus jr. ausgeschlossen worden.
Analog zum »Braunen Band von Deutschland« der Galopper wurde im Jubiläumsjahr 1937 das »Silberne Pferd von Deutschland« geschaffen, eine Plastik des Bildhauers Hans Goebl als Ehrenpreis für das »größte internationale Traberfahren Europas«. In der Tat glänzte Daglfing durch die Anwesenheit europäischer Spitzenpferde wie Tara, Probst, De Sota, Xiphias, Messidor und anderen. Der Bahnrekord von Xiphias in 1:19,2 von 1934 hielt 20 Jahre. Der NS-Staat förderte in hoher Erwartung internationaler Reputation den Sport – Höhepunkt war die Olympiade von 1936 in Berlin – vor allem auch den Pferdesport. Zudem erschien für den Aufbau der Wehrmacht und die Kriegsvorbereitung der vielseitige und robuste Traber trotz der Motorisierung noch unentbehrlich. 1937 war auf der Theresienwiese auch eine Demonstration von TRabpferden im Gespann vor einem schweren Maschinengewehrzug nach nur einer Geschirrprobe zu sehen.
Am 3. April 1938 legte während des Fritz-Roth-Gedenkrennens ein durch Föhnwind genährter Kaminbrand die hölzerne Haupttribüne in Schutt und Asche. I Rückblick erscheint dies, wie der Glaspalastbrand von 1931, fast wie ein Menetekel kommenden Unheils.
In der Mitgliederversammlung vom 17. Dezember 1938 wurde wieder Hans Bunge zum Vereinsleiter, als Vertreter Kommerzienrat Wilhelm Kraus gewählt, der bereits 1929 als Vereinsmitglied aufgeführt ist. Am 22. Oktober 1941 wurde er abberufen und durch den Leiter der Obersten Behörde für Traberzucht (OBT), Oberlandstallmeister Dr. Seyffert, ersetzt. Max Meder aus Straßlach wurde wieder Vereinsleiter.
Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs führte zunächst zu keinen Einschränkungen des Rennbetriebs, die Rennpreise konnten sogar gesteigert werden. Erst der Bombenkrieg traf auch das ländliche Daglfing. Der Ausnahmetraber Iltis kam 1944, zwei Tage nach dem Gewinn des »Goldenen Pferdes« bei einem Bombenangriff ums Leben. Im Oktober des gleichen Jahres wurde der reguläre Rennbetrieb eingestellt, bis Anfang des Jahres 1945 wurden aber sogenannte Leistungsprüfungen durchgeführt, um die Futterzuteilungen zu ermöglichen.
Rennfieber nach 1945 – »die goldenen Jahre«
1945, nach Ende des Zweiten Weltkriegs, nutzten die amerikanischen Alliierten die zerbombte Rennbahnanlage Daglfing als Kriegsgefangenenlager und später als Wagenpark für ihre schweren Armeefahrzeuge, worunter vor allem der Rasen litt. Als der Kommerzienrat Wilhelm Kraus – der Leiter des Gestüts Straßlach –, von Staatsrat Ernst Rattenhuber, dem damaligen Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, zum kommissarischen Leiter des »Münchner Trabrenn- und Zuchtvereins« eingesetzt worden war, konnte er die Reorganisation des Vereins sowie den erneuten Rennbetrieb veranlassen. Am 10. Februar 1946 startete in Daglfing das erste Nachkriegsrennen.
Als Glücksgriff erwies sich bald die Berufung des Wieners Leo Wojakowski zum Geschäftsführer, der den Verein in 28 Jahren erfolgreicher Tätigkeit zu immer neuen Höhen führte. Trotz des allgemeinen Mangels der Nachkriegsjahre setzte ein Besucherandrang ein, sodass die Tagesumsätze siebenstellige Ziffern erreichten.
Drei Jahre später,1949, kamen wieder internationale Stars zum neu geschaffenen »Preis der Besten« . Die ersten Nachkriegsjahrzehnte wurden zur golden Zeit für die Rennbahn und Daglfing entwickelte sich zur umsatzstärksten deutschen Trabrennbahn. 1950 wurde die zerstörte Lichtanlage wieder in Betrieb genommen und so wieder Abendrennen an einem Wochentag durchgeführt. Das Teehaus wurde renoviert und aufgestockt und somit 250 neue Sitzplätze geschaffen. 1958 erhielt Daglfing als erste Traberbahn ein verglastes Tribünenhaus und konnte 1969 weltweit als erste Rennbahn ein elektronisches Totalisatorsystem einführen.
1975 wurde ein zweites Tribünenhaus errichtet und in den Jahren danach wurde immer wieder modernisiert. Das Jahr 1981 gestaltete sich zum umsatz- und preisgeldstärksten Jahr und ein drittes verglastes Tribünenhaus entstand. Doch trotz der erfreulichen Trabrennsportentwicklung begannen in Daglfing die Umsätze zu stagnieren und zu sinken, während die Kosten für die zahlreichen vorgenommenen Baumaßnahmen explodierten. Mit der sich anbahnenden finanziellen Schieflage kriselte es im Traditionsverein und Gottlieb Rieker ging 1986 nach 18 Vorstandsjahren als erfahrener aber umstrittener Steuermann von Bord. Verschuldung (10 Millionen DM 1986) und fallende Wettumsätze zwangen aber den 100 Jahre alten Verein Teile des Stall- und Parkplatzgeländes zur Wohnbebauung zu verkaufen. Die Krisenjahre hielten an und schließlich war der MTZV gezwungen die gesamte Anlage zu veräußern, um außerhalb Münchens einen Neuanfang zu wagen. Aber noch laufen in Daglfing die Pferde …