Tennisanlagen des Rothofs; hpt©Verein für Stadtteilkultur im Münchner Nordosten e.V., 2009
Tennisanlagen des Rothofs; hpt©Verein für Stadtteilkultur im Münchner Nordosten e.V., 2009

Rothof

Denninger Straße 120

Bogenhausen

„Sport für alle“, das war die Idee des Gründers des »Rothofs«, Hans Roth sen.. Seine 1983 in der Denninger Straße in Bogenhausen errichteten Sportanlagen sollten – ohne Bindung an einen Club oder Verein – eine »Sport-Oase« in sauberer Luft, mit viel Ruhe und einem umfassenden Bewegungsangebot sein. Ein Freizeitkonzept, das nicht nur von den Bewohnern des Münchner Nordostens ausgiebig genutzt wird. 14 Tennis-Freiplätze und sechs Felder in einer Halle, ein zweistöckiger Fitnessbereich mit allem was zu einem modernen »Wellnes-Angebot« gehört sowie ein Hotel an der Denninger Straße (gebaut 1986 bis 1989, Architekten Edwin Effinger & Partner) werden heute vom Inhaber Hans Roth jr. geführt.

Der sportbegeisterte Hans Roth sen. ermöglichte den Bewohnern des Stadtteils aber noch ein anderes Sportvergnügen direkt vor ihrer Haustür. Als sich die familienbetriebene Ziegelei auf dem Areal des heutigen westlichen Denninger Angers nicht mehr rentierte, wurde stattdessen ein rentableres Quetschwerk mit Kiesgrube errichtet, weil für den neuen Baustoff Beton viel Kies benötigt wurde. Am Rande dort, wo heute der Schreberweg an der Nordseite der Bogenhauser Parkstadt vorbei führt, entstanden 1925 zwei Sprungschanzen. Die Kiesgrube ist inzwischen längst eingeebnet, die Sprungschanzen nur noch ein Kuriosum der Stadtteilhistorie.

Skisprungschanzen

(Bogenhausen)

Wahre Zuschauermassen kamen am 13. März 1925 nach München-Bogenhausen, wo der Sportenthusiast Hans Roth zusammen mit dem berühmten Schanzenbauer Carl J. Luther am Rande seiner Kiesgrube (heutiges Gebiet der Sportanlage „Rothof“ am Denninger Anger) einen Sprungwettbewerb veranstaltete. Für den Bau der beiden Skisprungschanzen aus Holz war die 1924 gegründete Vereinigung zur Förderung des sportlichen Schilaufs in München (VFS) verantwortlich, die Präparierung erfolgte durch die Mitglieder des Infanterie-Regiments 19. Der Anlaufturm der großen war 23 Meter hoch und genauso weit ging an diesem Tage auch der Sprung des Norwegers Aasland. Auch eine Woche später versammelten sich lokale Skispringer und viele Schaulustige zu einem weiteren Wettkampf am Rothof. Dabei begeisterten vor allem Karl Neuner vom SC Partenkirchen und sein Bruder Martin mit einem Doppelsprung. Die Pläne der beiden Initiatoren, München zur Skisprung-Stadt zu machen, verwirklichten sich jedoch danach nicht, es blieb bei diesen Springen in Bogenhausen.

Die Schisprungschanzen in der Kiesgrube

(von Hans Eiberle)

„Zufahrt für Automobile Donaustraße auf dem Dammweg; Automobile müssen weiterfahren zur Denninger Straße und wieder rückwärts in der Donaustraße Aufstellung nehmen. Zugang zu den Tribünen Donaustraße, für Stehplätze Denninger Straße.“ Das Ereignis, auf das die „Münchner Neuesten Nachrichten“ ihre Leser hinwiesen, ließ offenbar ein Verkehrschaos befürchten. Deshalb empfahl die Zeitung die Straßenbahn „Linie 9 und 30 bis zur Endhaltestelle. Von dort weisen Plakate den Weg zu den Sprungschanzen, deren hohen Anlauftürme weithin sichtbar über die Häuser ragen.“

Alle guten Ratschläge waren in den Wind geschrieben. Denn am Nachmittag des 13. März 1925 lockte das erste Skispringen in einer mitteleuropäischen Stadt die Münchner, unter ihnen geschlossen marschierende Schulklassen, in Scharen nach Bogenhausen. Wo heute östlich der Richard-Strauss-Straße in gedachter Verlängerung der Donaustraße längst der Kleingartenanlage der Schreberweg verläuft, erhoben sich am Rand des Roth’schen Quetschwerks zwei Schanzen, der Anlaufturm der größeren 23 m hoch. Dort drängten sich die Zuschauer, die die Absperrzäune niedergetrampelt hatten. Bloß die Ehrengäste auf der Tribüne, unter ihnen der preußische Gesandte und der norwegische Malermeister Wium, der den staunenden Münchnern 30 Jahre zuvor am Taubenberg die ersten Schisprünge vorgeführt hatte, mussten sich ihren Platz nicht erkämpfen.

Mitglieder der 1924 gegründeten Vereinigung zur Förderung des sportlichen Schilaufs in München (VFS) hatten die Schanzen aus Holz gezimmert. Dem Schisport-Pionier Carl J. Luther stand der Eröffnungssprung zu, schließlich hatte er zum Gelingen des Unternehmens als Schanzenbau-Experte, Schispringer und Reporter beigetragen. Anderntags erklärte er der Leserschaft fachmännisch, weshalb der Norweger Aasland, im Stil der Zeit durch die Luft rudernd, nur 23 m weit gesprungen war. „In der Höhe von München liegender Schnee gibt wohl nie so rasche Fahrt als Pulver- und Firnschnee der Höhenlage.“ Schon gar nicht die Reste eines schneearmen Winters, die Mitarbeiter des städtischen Tiefbauamts zusammengekratzt und nach Bogenhausen gekarrt hatten, wo das Infanterie-Regiment 19 die Schanze präparierte. Der Begeisterung tat das keinen Abbruch. Chronist Luther berichtete von Schispringern, die wie im Rausch „über Gebühr oft von der Schanze in die Tiefe gingen, und fast mit Gewalt musste man sie schließlich vom Turm weisen, als der Schnee stellenweise fast ganz von der Bahn weggewetzt war.“

Eine Woche später, als die Zuschauer wieder „in langen Scharen durch ein Meer bodenlosen Schmutzes“ zum Josefi-Springen gepilgert waren, hat sich auch Ludwig Pappenberger mutig von der Schanze hinunter in die Kiesgrube gewagt. Eigentlich sei er Langläufer gewesen, erzählt der Zahnarzt, der im März 2006 im 103. Lebensjahr gestorben ist. Weshalb er sich vom Wagnermeister Ebert am Englischen Garten Sprungschi fertigen ließ, aus dem Holz des Hickorybaums, 2,35 m lang, mit drei Rillen. Sein Versuch, die Disziplin zu wechseln, misslang indes gründlich. „Ich hab‘ die Vorlage ums Verrecken nicht hergebracht“, bei der Landung setzte sich Pappenberger jedes Mal auf den Hosenboden. Gewonnen hat damals Karl Neuner vom SC Partenkirchen, der gemeinsam mit seinem Bruder Martin das Publikum mit einem Doppelsprung begeisterte. Karl Neuner war deutscher Meister in der nordischen Kombination, später Kandahar-Sieger in St. Anton im Slalom und Fahnenträger der deutschen Mannschaft bei den Olympischen Winterspielen 1928 in St. Moritz.

Die Vision des Carl J. Luther von München als Stadt des Schisprungs hat sich nicht erfüllt. Die Kiesgrube ist eingeebnet, die Schanzen stehen längst nicht mehr.

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