Villa für Jos. Selmayr/Bogenhausen: aquarellierte Bleistiftskizze des Architekten Paul Pfann, 1898; Quelle: Inv. Nr. VII 4580 (264), Technische Universität München
Villa für Jos. Selmayr/Bogenhausen: aquarellierte Bleistiftskizze des Architekten Paul Pfann, 1898; Quelle: Inv. Nr. VII 4580 (264), Technische Universität München

Bürgermeistervilla

Ismaninger Straße 95

Bogenhausen

Die 1898 von Architekt Paul Pfann unter Mitarbeit von Günther Blumentritt errichtete schlossartige, neubarocke »Bürgermeistervilla« liegt im sogenannten Bürgermeistergarten (oder Max-Joseph-Garten) in Bogenhausen. Der Garten kann durch ein Portalgitter von der Ismaninger Straße her betreten werden oder durch ein Steinportal an der Weberstraße. Besitzer war der ehemalige Bürgermeister Bogenhausens und Ziegelei- und Gutsbesitzer Josef Selmayr, jr.

Der mächtige »Hanselmarterhof« (Bogenhausen Hausnummer 5), gehörte der Familie Selmayr schon seit Ende des 18. Jahrhunderts und er war mit 100 Tagwerk (ca. 33 Hektar) Äckern und Wiesen das größte Bauernanwesen in Bogenhausen. Durch Ankauf des Anwesens Hausnummer 10 (Popp) mit 80 Tagwerk (= 27 Hektar) Wirtschaftsfläche konnte der »Hanselmarter« seine ursprüngliche Größe im 19. Jahrhundert fast verdoppeln (180 Tagwerk = 60 Hektar). In den überzähligen Wohngebäuden hinter der Schmiede erhielten die Bogenhauser Kinder vor der Errichtung eines eigenen Schulgebäudes von 1824 bis 1875 ihren Schulunterricht.

1898 hatte das Bauernanwesen dann seine Schuldigkeit getan und wich einer hochherrschaftlichen Villa, die nun weitaus besser den neuen Status der Selmayers als »Loambarone« Ausdruck verlieh. Die sogenannte Bürgermeistervilla in der Ismaninger Straße 95 erhielt ihren Namen nach dem letzten Bürgermeister des Dorfs Bogenhausen Josef Selmayr jr.

Villa Selmayr

Nach der Eingemeindung Bogenhausens (1892) wurde der Hanselmarterhof abgerissen und 1898 eine stattliche Villa samt ausgebautem Dachgeschoss, Kneipzimmer im Keller, Loggia, repräsentativer großer Diele, Terrasse, aufwändigen Holzvertäfelungen im Inneren, Park und Portal errichtet. Für den barockisierenden Bau zeichnete Paul Pfann unter Mitarbeit von Günther Blumentritt verantwortlich. Das Architektenduo gestaltete im gleichen Jahr auch die stattliche Betz’sche Gastwirtschaft, in unmittelbarer Nähe an der Ecke Törring-/Ismaninger Straße gelegen, neu sowie mehrere Mietswohnhäuser in der Prinzregentenstraße. Noch im gleichen Jahr der Errichtung der Villa verkaufte Josef Selmayr den größten Teil seines Bogenhausener Grundbesitzes an die »Heilmann & Littmann Bau- und Immobilien-Gesellschaft A.-G.« Mit den Erträgen aus den Grundstücksverkäufen erwarb Selmayr aus wirtschaftlichen Gründen das Schlossgut Erching (Landkreis Freising) mit über 700 Hektar Grundfläche. Seit 1903 bewohnt die Familie Selmayr auch das Schloss, das bis heute in ihrem Besitz ist.

Seit 1941 war die Bürgermeistervilla eines der Häuser des »Lebensborn«, der 1935 im Auftrag des »Rasse- und Siedlungshauptamtes« gegründet worden war zur Aufzucht »rassisch wertvoller« Kinder. Heute befinden sich hier Teile der Bayerischen Theaterakademie und im Garten ein Neubau des Finanzgerichts München.

Literatur:

  • Karl, Willibald (Hrsg.): Bogenhausen. Vom bäuerlichen Pfarrdorf zum noblen Stadtteil, München 1992.
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