Textquellen: Willibald Karl: Bogenhausen. Vom bäuerlichen Pfarrdorf zum nobeln Stadtteil, Buchendorfer Verlag 1992. Dorle Gribl, Prominenz in Bogenhausen, München 2009. Cornelia Oelwein: Max Littmann (1862-1931). Architekt. Baukünstler. Unternehmer, Bad Kissingen 2013, S. 108ff.
Textquellen: Willibald Karl: Bogenhausen. Vom bäuerlichen Pfarrdorf zum nobeln Stadtteil, Buchendorfer Verlag 1992. Dorle Gribl, Prominenz in Bogenhausen, München 2009. Cornelia Oelwein: Max Littmann (1862-1931). Architekt. Baukünstler. Unternehmer, Bad Kissingen 2013, S. 108ff.

Villa Lindenhof

Höchlstraße 4

Bogenhausen

Die Villa in der Höchlstraße in Bogenhausen wurde 1902 bis 1903 von Architekt Prof. Max Littmann als eigenes Wohnhaus erbaut. Er erwarb bereits 1898 das 1900 Quadratmeter große Grundstück von der Heilmann’schen Immobiliengesellschaft für 105.004 Mark und ein Jahr später begannen die Planungen. 1902 reichte Littmann die Baupläne bei der Münchner Lokalbaukommission ein und zwei Jahre später, 1904, konnte die hochherrschaftliche Villa bezogen werden.

Das Anwesen im Typ einer »Villa Suburbana« ist eine Mischung aus dem damals üblichen historisierenden Stil deutscher und italienischer »Renaissance«, durchsetzt von englischen Landhauselementen und Südtiroler Ansitzarchitektur. An der Nordseite (Höchlstraße) trägt sie reiches plastisches Dekor mit Bezügen zur Architektur von Heinrich Waderé, einem von Littmann hochgeschätzten Bildhauer. Ein von Rudolf von Seitz geschaffenes Fresko mit der Allegorie der Architektur im Tympanon über dem Eingangsportal ist heute nicht mehr erhalten. Die öffentliche Nordseite zeigt so dem Betrachter den Stand des Bauherrn, die rückwärtige Südseite mit Garten, Gartenhalle, Brunnen und Freitreppe hingegen ist dem privaten Rückzugsraum der Familie bestimmt.

Der streng symmetrisch angelegte Gebäudekomplex hat einem langgestreckten Hauptkörper, dem an der nördlichen Hauptfassade ein repräsentativer Eingangsbereich mit einer Terrasse vorgelagert ist. Zwei unterschiedlich ausgestalteten Seitenrisalite brechen diese architektonische Gleichheit wieder auf. Statt mit dem für Bogenhauser Villen sonst üblichen Eisenzaun grenzt eine niedrige Natursteinmauer mit einer aufgesetzten, schlichten Balustrade das Grundstück zur Höchlstraße hin ab. Zwei von den Bildhauern Heinrich Düll und Georg Pezold entworfene Bronzefiguren, ein Elch und ein Hirsch, flankierten auf Sockeln stehend bis in die 50er-Jahre den Eingangsbereich der Villa. Diese Skulpturen wurden entfernt und höchstwahrscheinlich eingeschmolzen. Eine von Littmann neben die Einfahrt gepflanzte mächtige Linde hat die Zeiten überdauert, aus zwei kleinen Thujen daneben sind inzwischen mächtige Bäume geworden, die das Gebäude nahezu vollständig verdecken. Die Villa ist heute nicht mehr über den Treppenaufgang des zentralen Eingangsbereichs zugänglich, sondern über die beiden Seiteneingänge. Generell ist der »Lindenhof« sowie die Gartenanlage äußerlich zwar relativ unverändert erhalten, im Inneren aber, das von mehreren Institutionen und Mietern bewohnt wird, hat man starke Eingriffe vorgenommen.

Die »Deutsche Bauzeitung«, in der 1904 eine Skizze des sogenannten Lindenhofs veröffentlicht wird, lobt in höchsten Tönen das Littmann’sche Anwesen:

»Ein Wohnsitz von edelster Kultur, ebenso reich an Gesellschaftsräumen mit den Möglichkeiten umspannende Geselligkeit zu pflegen, wie darauf eingerichtet, in den privaten Räumen der Familie sich behaglicher Lebensführung hinzugeben […].«
Platz genug war dafür vorhanden. Allein das Speisezimmer war 54 Quadratmeter groß und sage und schreibe 4,65 Meter hoch. Von den drei großen Fenstern bot sich ein offener Blick in die an italienische Renaissancegärten erinnernde Gartenanlage. Hier war eine prunkvolle Kassettendecke nach dem Vorbild der berühmten Renaissance-Decke im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses eingezogen und die Wände mit Kopien von Werken Tizians und Rubens geschmückt. Außerdem gab es im Erdgeschoss einen Musiksalon, ausgestattet von namhaften Künstlern der Prinzregentenzeit, sowie ein Damen- und ein Herrenzimmer.

Über den prachtvollen Musiksalon, der Damen- und Herrenzimmer voneinander trennte und sowohl als Empfangssalon als auch repräsentativer Gesellschaftsraum konzipiert war, schwärmte die »Süddeutsche Bauzeitung« 1906:

»Der farbige Stuckplafond mit tiefen Kassetten und Bildern von [Gabriel] Schachinger ist ein Meisterwerk in seiner Art, dazu stimmt vortrefflich die Wandbespannung von grauer Seide. Die Möbel sind in dunkel Mahagoni ausgeführt. Der dominierende Hauptwandschmuck sind vier eigens gemalte Landschaften von Professor [Charles Johann] Palmié, die Einfassung der Türen und die Fensterbrüstung sind aus Levante-verde-Marmor. Der stimmungsvolle Raum hat eine große Einheitslichtquelle, ein mit Kathedral- und Opaleszentgglas verschlossenes bay window. Kostbare Vasen und wertvolle Bronzen von [Georg] Wrba, Rudolf Maison, [Heinrich] Wadere [sic] erhöhen den vornehmen Charakter dieses Salons.«

In diesem im Westteil der Villa gelegenen Raum stand auch eine von Heinrich Waderé geschaffene Büste des 1901 auf tragische Weise ums Leben gekommenen Sohnes Curt von Ida und Max Littmann. Der Bildhauer schuf auch 1901 und 1903 nach dem Vorbild des italienischen Renaissancebildhauers Donatello zwei Sopraportenreliefs mit musizierenden Engeln, die jeweils über den Türen angebracht waren, die zum Damenzimmer im Süden beziehungsweise zum Herrenzimmer im Norden führten:

An der Außenfassade griff Waderé das Motiv des Putto aus dem Musiksalon wieder auf. Mit der skulpturalen Gestaltung des nördlichen Risalits wurde der gesamten Westtrakt als repräsentativen Hauptbau, ja geradezu als Zentrum der Villa hervorgehoben. Der Architekt als Universalkünstler in Nachfolge der großen italienischen Renaissance-Meister: Die von Waderé gestaltete Front verdeutlicht diesen Anspruch Littmanns bestens. Diese »Hierarchisierung« von Räumen, die Trennung von Bereichen der Repräsentation, der Intimität/des Privaten und des Wirtschaftlichen (Küche, Dienstpersonal etc.) zieht sich generell konsequent bis ins kleinste Detail durch das gesamte architektonische Konzept der Villa.

Im sogenannten Herrenzimmer befand sich der Arbeitsbereich von Max Littman. Es lag – ebenso wie die Küche – zur Nordseite der Villa im Erdgeschoss, da Littmann sich ausdrücklich einen unmittelbaren Verkehr zur Straße hin wünschte. Hier hing ursprünglich über dem Kamin ein monumentales Ölgemälde von Ludwig von Herterich (1856–1932) mit dem Doppelporträt von Ida, der Ehefrau Littmanns, und der gemeinsamen Tochter Gertrud. (Seit 1976 nach Schenkung der Dargestellten heute im Besitz der Bayerische Staatsgemäldesammlung)

Die Wirtschaftsräume befanden sich getrennt von den Wohnräumen der Familie in einem eigenen Trakt auf der Ostseite des Hauses.

Die Türrahmungen und manche Fußböden bestanden aus Marmor, an den Wänden hingen riesige Gobelins oder Ledertapeten. Gespart braucht nicht zu werden, jede Kleinigkeit bis hin zum Türkdrücker war durchdacht, sogar die Fenstergitter erhielten – bezugnehmend auf den Namen der Villa – kleine geschmiedete Lindenblätter. Littmann hatte für sich selbst das Gesamtkunstwerk einer Künstlervilla geschaffen. Oft lässt sich nicht mehr klären, inwiefern Littmann selbst oder seine Mitarbeiter Pläne und Details bei den Auftragsbauten entworfen haben, bei dieser Villa ist der Fall eindeutig, sie ist das Manifest einer herrschaftlich orientierten künstlerischen und gesellschaftlichen Selbstdarstellung des Architekten und Unternehmers Max Littmann.

Von der Presse gefeiert wurde die Villa auch wegen ihrer technischen Ausstattung mit elektrischem Licht, Gasheizung, Telefon und vielen weiteren Neuerungen, wie man sie auch in der benachbarten Villa von Rudolf Diesel finden konnte, der im gleichen Jahr wie Littmann ein Grundstück in der Höchlstraße erworben hatte und für das Max Littmann als Architekt verantwortlich zeichnete.

Nur ungern trennte sich der Architekt von diesem Haus. Doch besondere Familienverhältnisse und der Wunsch, der Natur ganz nahe zu sein, bewogen ihn nach dem Ersten Weltkrieg einen Wohnsitz fernab der Großstadt München zu wählen und den »Lindenhof« zu verkaufen. Max Littmann zog nach Bichl im Loisachtal. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs war hier in der Zeit des Schwarzmarktes in der Möhlstraße die »Ciro Bar« untergebracht. Die Villa »Lindenhof« steht heute unter Denkmalschutz.

Die südlichen Rückseite der Villa erhielt eine schlichten Fassade, die die Dreiteilung der vorderen Straßenfront wieder aufgreift: vorspringender Hauptteil, flankiert von einem Erker beziehungsweise einer Loggia auf der sich jeweils eine Terrasse mit einer umgebenden Balustrade befand. Dei beiden Seitenrisalite waren im Erdgeschoss jeweils über einen eigenen Treppenaufgang mit dem Gartenbereich verbunden. Über die Breite der drei Fenster des Damenzimmers zog sich das allegorische, neoklassizistisch gestaltete Relief »Wir wollen ein Nest bauen« von Heinrich Waderé. Dieser einzige dekorative Schmuck an der Südseite der Villa zeigt ein unter einer Linde lagerndes Pärchen, flankiert von einem liegenden Wachhund und einer verkleinerte Darstellung des »Lindenhofs«. Die Szenerie wird beleuchtet von einer strahlenden Sonne. Diese intime, arkadische Darstellung vom glücklichen, behüteten Heim bildet den Gegenpol zum Dekor an der nördlichen Schauseite, mit der Präsentation des Status des folgreichen Architekten und Künstler.

Blickte man aus dem Speisezimmer im zentralen Hauptgebäude, sah man auf eine große, im strengen Stil der Renaissance konzipierte Gartenanlage mit weiter Rasenfläche, geometrisch angelegten Spazierwegen und verstreut eingesetzten Gartenplastiken. Direkt vor der über über das Speisezimmer zu erreichenden Terrasse war eine Brunnenanlage mit einem Putto vorgelagert, die das Hauptgebäude ein weiteres Mal akzentuierte. Der Brunnen war vor einer aus groben Steinquadern zusammengesetzten Mauer errichtet, wodurch das rustikale Gestaltungselement der nördlichen Außenumfriedung und des Sockelbereichs der nördlichen Fassade an der Höchlstraße wieder aufgegriffen wurde.

Der Villa gegenüber, am Ende des Gartens, stand eine Gartenhalle, deren offene, dem Haus zugewandte Seite von zwei Atlanten flankiert wurde. Eine typische Konstellation herrschaftlicher Schlossanlagen en miniature. Ein weiteres Mal spiegelt sich auch im Gartenbereich das Konzept des Hausherren wieder, Privates und Repräsentatives zu einer Einheit zusammenzuführen. Im Linderhof’schen Garten konnten rauschende Gesellschaften gefeiert und der Kunst gehuldigt werden, indem man auf der offenen Bühne der Gartenhalle Theater spielen konnte.

Textquellen:

Willibald Karl: Bogenhausen. Vom bäuerlichen Pfarrdorf zum nobeln Stadtteil, Buchendorfer Verlag 1992.

Dorle Gribl, Prominenz in Bogenhausen, München 2009.

Cornelia Oelwein: Max Littmann (1862-1931). Architekt. Baukünstler. Unternehmer, Bad Kissingen 2013, S. 108ff.

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