1862 errichtet Matthias Kobler auf dem Flurstück Haus No. 13, dem »Streicherhof« in Johanneskirchen, eine Ziegelei, bestehend aus einem Ziegelstadel mit Ofen. Nachdem die Besitzer gewechselt haben, entsteht nördlich dieses Anwesens eine neue Ziegelei mit zwei Brennöfen, aber auch diese wird weil unrentabel recht bald stillgelegt. Erst als die Eheleuten Anton und Klara Baur 1897 das Anwesen erwerben und eine neue Ziegelei errichten, kommt es zum Aufschwung. 1898 werden hier bereits stattliche 1,5 Millionen Ziegel gebrannt. Neben dieser Johanneskirchner Ziegelei besitzen die Baur-Eheleute noch eine weitere Ziegelei in Denning (Hausnummer 8, später Stargarder Straße 11), die sie 1888 erwerben und in der 1903 ein jährlicher Umsatz von zwei Millionen Ziegelsteinen zu verzeichnen ist. 1910 wird der Ziegeleibetrieb in Denning eingestellt. Die Baurs gehören mit ihren zwei großen Ziegeleien zu den stolzen »Loambaronen« des Münchner Nordostens, wie eine historische Aufnahme der Familie in ihrem Garten der Villa belegt.
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Ziegelei Baur (ehemalig)
Johanneskirchner Straße 145
Johanneskirchen
Weiterführende Informationen
Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges fehlten immer mehr Arbeiter auch für die Ziegeleiindustrie. Im Oktober 1942 wurden in München acht Mauersteinwerke stillgelegt, mit der Maßgabe, dass die frei werdenden Arbeitskräfte in der Dachziegelindustrie eingesetzt werden. Der Bedarf an Dachziegeln nahm durch die Luftangriffe auf die Städte zu, Baumaßnahmen fanden zu der Zeit nur in der Rüstungsindustrie (und am Obersalzberg) statt. In der Ziegelei von Anton Baur, die dank »kriegsentscheidender Fertigung« noch in Betrieb war, arbeiteten Anfang Mai 1943 weiterhin 14 Italiener. Die italienischen Fachkräfte im Ziegeleigewerbe (die meisten arbeiteten als Brenner am Ofen) waren 1943/1944 nicht mehr nach Deutschland zurückgekehrt, ihre Arbeit war nur schwer durch Kriegsgefangene oder Ostarbeiter zu ersetzen. In den Berichten über die Wirtschaftslage im Juni 1943 rechnete man damit, dass eine ganze Anzahl Ziegelwerke zum Erliegen kommt. Im Februar 1943 sah man noch »mit Interesse dem Erfolg der neuen Maßnahmen zum Einsatz von älteren Männern und Frauen entgegen.«
Die Ziegelei von Anton und Klara Baur wurde erst 1964 stillgelegt und abgebrochen. Sie war damit am längsten im Münchner Nordosten in Betrieb. Auf dem Grundstück der ehemaligen Ziegelei wurde 1989 mit der Anni-Braun-Schule das Schulzentrum für Hör- und Sprachgeschädigte errichtet.
Literatur:
Bernst, Karin: Johanneskirchen. das Dorf in der Stadt. 815-2015, München 2015, S. 101 und 121.
Bernst, Karin in: Stadtteilspaziergang durch den Münchner Nordosten, Kalender 2005.