Bernhard Bleeker
Prof. Bernhard Bleeker an der Büste des verstorbenen Reichstagspräsidenten Friedrich Ebert, 1. Juni 1927 © Bundesarchiv, Bild 102-00220 / CC-BY-SA 3.0
»Rosselenker« und »Rossebändiger« vor der Technischen Universität München, um 1931: Ansichtskarte privat
»Rosselenker« und »Rossebändiger« vor der Technischen Universität München, um 1931: Ansichtskarte privat

Bleeker, Prof. Bernhard

* 26. Juli 1881 in Münster / Westfalen

† 11. März 1968 in München

Bildhauer

Geboren wird Josef Bernhard Maria Bleeker am 26. Juli 1881 in Münster, Westfalen, als Sohn des Schneidermeisters Bernhard Bleeker und seiner Frau Christine. Mit 14 Jahren beginnt er eine Steinmetzlehre in seinem Geburtsort. Seit 1900 in München, arbeitet er als Steinmetz am Bau des Volksbads, der Sparkasse, des Schwabinger Friedhofs und am Nymphenburger Waisenhaus. 1901 beginnt er das Studium der Bildhauerei bei Wilhelm von Rümann an der Akademie der Bildenden Künste in München. Aus finanziellen Gründen muss er sein Studium nach zwei Jahren abbrechen und als Ateliergehilfe bei Rümann arbeiten. 1903, er ist nun Assistent an der Akademie, macht er Bekanntschaft mit Adolf von Hildebrand. Dieser schätzte die Arbeiten Bleekers außerordentlich, was die Tatsache belegen mag, dass Hildebrand bis kurz vor dem Ersten Weltkrieg ein Steinbozetto von Bleeker in seinem eigenen Garten der Villa (Maria-Theresia-Straße) aufgestellt hatte. Einen Ruf an die Akademie in Düsseldorf im Jahr 1908 lehnt Bleeker ab.

Gegen den Willen der Kollegen bekommt Bleeker 1919 den Lehrstuhl an der Akademie der Bildenden Künste in München, 1922 erfolgt dann die Ernennung zum ordentlichen Professor (bis 1945). Unter anderem ist der Bildhauer Roland Friederichsen hier sein Meisterschüler, aber auch Alexander Fischer und Rolf Nida-Rümelin lernten bei ihm. 1924/25 entsteht seine Skulptur des »Toten Soldaten« (Krypta des Ehrenmals im Münchener Hofgarten) zur Mahnung an die 13.000 im Ersten Weltkrieg gefallenen Münchner Soldaten. Vor dem Ehrenhof vor der Technischen Hochschule München wird im Jahr 1931 seine Bronzeplastik »Der Rossebändiger« aufgestellt (ihr gegenüber der »Rosselenker« von Prof. Hermann Hahn). Bernhard Bleekers neoklassizistischer Stil trifft sich mit den Kunstvorstellungen des »Dritten Reichs« und Bleeker führt unter anderem 1935 als Auftragswerk eine Porträtbüste von Adolf Hitler aus und bis 1944 entstehen 25 weitere Exemplare für die NSDAP. Bleekers Werke sind in der »Großen Deutschen Kunstausstellung« vertreten.

 

1936 kaufen sich die Akademieprofessorseheleute Ruth und Bernhard Bleeker von der Firma Lenz & Co um insgesamt 24.500 Reichsmark Bauplätze in Bogenhausener Herzogpark (Haushoferstraße 1 und 3), wo noch im selben Jahr auf Nr. 3 von German Bestelmeyer, einem Freund Bleekers, eine Villa mit Atelier errichtet wird. Bleeker kann sich dies leisten, da er als Professor an der Akademie ein festes Gehalt bezieht und zudem als anerkannter und prominenter Münchner Künstler lukrative Aufträge erhält. Bei einem Fliegerangriff 1944 wird das Atelier zerstört und das Wohnhaus zu 44 Prozent beschädigt; die Familie zieht vorübergehend nach Teisendorf. 1945 schreibt Bleeker an das Wohnungsamt in München:

»Falls es also den Tatsachen entsprechen sollte, daß mein Haus als ‚politisch‘ beschlagnahmt wurde, bitte ich dasselbe freizugeben, damit ich die notwendigen Reparaturen durchführen kann, um es vor dem gänzlichen Verfall zu bewahren.«

Bleekers ziehen nach dem Wiederaufbau der Villa in der Haushoferstraße 3 wieder ein und nehmen das umtriebige gesellschaftliche Leben der Vorkriegszeit in den großzügigen Räumen und dem weitläufigen Garten wieder auf. Im großen Salon stand ein Flügel an dem Hausherr Bleeker gerne Werke von Bach und Beethoven interpretierte.

Nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches wird Bleeker seines Dienstes als ordentlicher Professor der Akademie enthoben. Noch 1945 holt er seine Skulptur des »Toten Soldaten« aus dem von Bomben zerstörten Kriegerdenkmal in sein Haus, um ihn zu restaurieren. Auf Anweisung der Amerikaner wird die Figur 1948 wieder in der Krypta des Münchner Hofgartens aufgestellt. Heute liegt hier ein Bronze-Abguss, das Original befindet sich im Bayerischen Armeemuseum in Ingolstadt.

Obwohl Bleeker sich deutlich gegen die Kunstideologie der Partei geäußert hatte, muss er sich einem Spruchkammerverfahren unterziehen. 1946 wird er als Minderbelasteter zu einer Bewährungsfrist von drei Jahren und einer Sühnezahlung verurteilt, 1948 wird seine Bewährungsfrist als Mitläufer für beendigt erklärt.

An Preisen wird Bernhard Bleeker verliehen: 1917 die Königliche Ludwigs-Medaille in Gold, 1928 der Maximiliansorden, 1956 der Kulturpreis und 1961 die Goldene Ehrenmünze der Stadt München. Bernhard Bleeker stirbt am 11. März 1968, seine Urne wird im Garten seines Hauses im Herzogpark beigesetzt.

Bleekers berühmteste Werk, der »Rossebändiger« steht heute gegenüber der Technischen Universität München. Die Bronzeskulptur wurde im Zweiten Weltkrieg durch Bomben schwer beschädigt und das Pferd daraufhin bis auf den Kopf (er liegt heute im depot der Abteilung Gießerei im deutschen Museum München) eingeschmolzen, nur die Einzelfigur ist noch erhalten. Die ihm heute auf der anderen Straßenseite, westlich der Alten Pinakothek in der Arcisstraße gegenüberstehende Skulptur des »Rosselenkers« von Prof. Hermann Hahn ist hingegen komplett erhalten. Die in der Skulptur deutlich sichtbaren Einschusslöcher gemahnen als »Wunden der Erinnerung« an die Greuel des Zweiten Weltkriegs.

Der »Rossebändiger« wurde im »Völkischen Beobachter« schon am 8. Juli 1930 begeistert gewürdigt:

»Des Gedankens kühner Flug findet Erfüllung in jäher Steigerung zu majestätischem Höhepunkt, als Denkmal von Hoheit und Kraft, im Pferdelenker von Bernhard Bleeker. Es beherrscht, von kleinlichem Beiwerk unbeirrt, allein und selbstherrlich, Ruhe und Bewunderung heischend, den Raum.«

Völlig anderer Meinung über die beiden Bronzeskulpturen war dagegen das separatistisch-reaktionäre »Bayerische Vaterland«:

»Fast ganz München, soweit es sich zu den anständigen Leuten rechnet, ist empört über den Skandal der zwei nackat’n Lackl vor der Technischen Hochschule in der Arcisstraße mit den ganz besonders betonten Geschlechtsmerkmalen. […] Wir verlangen, daß diese beiden ‚Saukerl‘ von der Straße entfernt und dem Anblick der zartesten Jugend entzogen werden […].«

 

 

 

 

Literaturquellen:

Karin Bernst, Das Wohnhaus von Bernhard Bleeker, in: Kalender 2011 »Ein Spaziergang durch den Münchner Nordosten«

Frank Henseleit: Der Bildhauer Bernhard Bleeker (1881–1968) : Leben und Werk, Diss., Augsburg 2007, komplett einzusehen unter:

https://opus.bibliothek.uni-augsburg.de/opus4/frontdoor/index/index/start/0/rows/10/sortfield/score/sortorder/desc/searchtype/simple/query/Bleeker/docId/467

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