Denkmal Bischof Otto von Freising von Bildhauer Kaspar von Zumbusch auf dem Domplatz in Freising (1857); © Josef Krause, 2008. Es zeigt Otto in lebensgroßer Darstellung mit den ihn charakterisierenden Attributen: stehend im Messgewand mit Mitra, den Bischofsstab unter den linken Arm geklemmt, in der Linken die Heilige Schrift, in der Rechten eine Schreibfeder, die auf seine schriftstellerische Tätigkeit hinweist. Die Plastik steht auf einem Steinsockel. An dessen Stirnseite die Inschrift: OTTO VON FREISING BISCHOF UND GESCHICHTSSCHREIBER.
Denkmal Bischof Otto von Freising von Bildhauer Kaspar von Zumbusch auf dem Domplatz in Freising (1857); © Josef Krause, 2008. Es zeigt Otto in lebensgroßer Darstellung mit den ihn charakterisierenden Attributen: stehend im Messgewand mit Mitra, den Bischofsstab unter den linken Arm geklemmt, in der Linken die Heilige Schrift, in der Rechten eine Schreibfeder, die auf seine schriftstellerische Tätigkeit hinweist. Die Plastik steht auf einem Steinsockel. An dessen Stirnseite die Inschrift: OTTO VON FREISING BISCHOF UND GESCHICHTSSCHREIBER.

Otto von Freising

* um 1112 vermutlich in Klosterneuburg bei Wien

† 22. September 1158 im Kloster Morimond / Frankreich

seit 1138 Bischof von Freising, Geschichtsschreiber

Otto war Sohn des Markgrafen Leopold III. von Österreich und von Agnes, einer Tochter Kaiser Heinrichs IV., und Onkel Friedrich Barbarossas. Er entstammte somit dem Geschlecht der Babenberger, seine Brüder waren Herzoge in Bayern und Österreich, sein Halbbruder König (Konrad III.).

Als Jugendlicher studierte er standesgemäß in Paris Theologie und trat 1132 in das Zisterzienserkloster Morimond ein, zu dessen Abt er sechs Jahre später trotz seiner Jugend gewählt wurde. Am Tag darauf erhielt er die Ernennung zum Bischof von Freising und bemühte sich von da an um die Erneuerung des kirchlichen Lebens in der heruntergekommenen Diözese und deren Klöstern. In der Zeit des Investiturstreits geriet er in Konflikt mit den Wittelsbachern, konnte aber aufgrund seiner kaiserlichen Verwandtschaft erfolgreich in den Streitigkeiten zwischen Staufern, Babenbergern und Welfen vermitteln. 1147 beteiligte er sich als Heerführer am Zweiten Kreuzzug und zog bis nach Kleinasien und Jerusalem. Otto wurde in der Klosterkirche von Morimond beigesetzt, seine Reliquien liegen in der Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz im Wienerwald.

Bedeutsam ist Otto als Schriftsteller und Geschichtsschreiber des hohen Mittelalters. Sein Hauptwerk, die Weltchronik »Historia de duabus civitatibus«, kurz »Chronicon«, behandelt in sieben Bänden die Entwicklung der Weltgeschichte. Im achten Band entfaltet Otto eine Vision des Jüngsten Gerichts. Den Vorstellungen seiner Zeit verhaftet, glaubte er die Verwirklichung des Reiches Gottes auf Erden im christlichen Kaiserreich zu erkennen, eine Auffassung, die schon Augustinus in seinem Werk vom »Gottesstaat« abgelehnt hatte.

Für München hat Bischof Otto von Freising besondere Bedeutung erlangt, da er im berühmten Zollstreit mit Herzog Heinrich dem Löwen quasi den Grundstein zur Gründung Münchens legte. Schon immer lag die Kontrolle des Warenverkehrs über beide Isarübergänge (und damit die lukrativen Brückenzölle) bei den Freisinger Bischöfen. Das führte schließlich dazu, dass der bayerische Herzog Heinrich Otto den Markt am Isarübergang der Salzstraße in Föhring streitig machte. Er ließ flussaufwärts an einer günstig gelegenen Stelle einen neuen Markt gründen und lenkte so die Salztransporte durch diesen Ort. Kaiser Friedrich I. Barbarossa, der Neffe Ottos, beendete schließlich den Konflikt im Jahr 1158 durch den so genannten Augsburger Vergleich: Heinrich der Löwe erhielt das Recht, Zollbrücke, Markt und Münze am neuen Ort „bei den Mönchen“ zu nutzen – die Geburtsstunde Münchens. Föhring verlor seine Stellung als Markt- und Zollort und sank zu einem bedeutungslosen Bauerndorf herab. Ein Drittel seiner Einnahmen musste Heinrich jedoch an den Bischof von Freising abgeben. Ungeklärt ist, wann Heinrich der Löwe die Brücke und den Markt des Bischofs in Föhring zerstörte, wie spätere Autoren berichten. Manches spricht dafür, dass dies nicht vor dem »Augsburger Vergleich«, sondern zu einem späteren Zeitpunkt geschah, denn erst im »Regensburger Urteil« (1180) wird über die herzogliche Gewalttat berichtet.

Nach oben scrollen