Spuren der Macht: Warum Bogenhausens Villen eine dunkle Geschichte verbergen

Die im letzten Jahr münchenweit durchgeführten Gedenkveranstaltungen zum 80. Jahrestag des Kriegsendes, unter dem Motto „Stunde Null? – Wie wir wurden, was wir sind“, lenkten den Blick vor allem auf die Zeit nach 1945. Bei unserer neuen Stadtteilführung, unter dem Motto „Geschichte wird greifbar, wenn man direkt vor den Orten des Geschehens steht.“, richten wir das Schlaglicht nun bewusst auf das Kapitel davor.
Heute wirken die Fassaden repräsentativer Gebäude oder majestätischer Villen in Bogenhausen auf den ersten Blick zeitlos, stilvoll und friedlich. Doch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten vor über 90 Jahren erlebten viele jüdische Familien, die hinter den prächtigen Toren wohnten, die ganze Skrupellosigkeit des NS-Regimes. Die Bewohner wurden verdrängt, enteignet und vielfach in Konzentrations- oder Arbeitslager verschleppt. Ihre Anwesen – sofern sie nicht schon frühzeitig unter Wert durch regimetreue Privatpersonen „erworben“ wurden – hat man entschädigungslos in Parteieigentum oder in staatlichen Besitz überführt.
Möchten Sie wissen, welche Geschichten die historischen Mauern in Ihrer Nachbarschaft erzählen? Wie genau die NS-Elite damals Zugriff auf diese begehrten Liegenschaften erlangte und was aus den ursprünglichen Besitzern wurde?
Noch sind bei diesem neuen, exklusiven Stadtteilspaziergang mit der Stadtführerin und Expertin Sibylle Reinicke einige Plätze frei. Entdecken Sie gemeinsam mit uns Bogenhausen aus einer völlig neuen Perspektive und blicken Sie hinter die Kulissen der Geschichte – anschaulich, fundiert und direkt vor Ort.
Anmeldung: Anmeldung: nordostkultur-muenchen.de/Programm/neu-bogenhausen-im-nationalsozialismus/

Foto: © Dietlind Pedarnig, 2007: Die Villa in der Möhlstraße 9 (1906-1909 für Max Hirmer gebaut) wurde 1922 vom jüdischen Filmkaufmann und Mitbegründer der Filmstudios Geiselgasteig Karl Wiesel erworben. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde Karl Wiesel kaltgestellt. 1938 wurde er zwangsenteignet und seine Villa als sogenanntes „Judenhaus“ genutzt, in das jüdische Bewohner der Möhlstraße zusammengepfercht wurden.

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