Josef Anton Heinrich Ruederer (1861–1915)

 

In seinen Romanen und Komödien vor dem Ersten Weltkrieg prangert der Münchner Schriftsteller den sittlichen Verfall in der Stadt, die Korruption, Heuchelei, das "Schnackerlhafte" der Oberbayern an. Er ging somit auf Konfrontation mit Ludwig Thoma, der ihn als "allem Ländlichen fernstehenden Städter" beschrieb, der schon die einfachsten Dinge falsch und unvollkommen wiedergibt.

 

Im Ersten Weltkrieg stand Ruederer der deutschen Sache kritisch gegenüber und begann ein mehrbändiges Romanwerk, dessen ersten Teil er 1915 kurz vor seinem Tod fertig stellte. Er wurde 1916 als "Das Erwachen" veröffentlicht, 1962 erneute Veröffentlichung unter dem Titel "Weißblaue Achtundvierziger". In diesem Roman schildert er die Entwicklung Münchens zur Zeit König Ludwig I. 

 

Ruederer wohnte in der Maria-Theresia-Straße 28, in einer Villa, die er sich 1907 von  Architekt Max Langheinrich errichten ließ. Nach dem Schriftsteller ist der "Josef-Ruederer-Brunnen" in Bogenhausen benannt. "Ruadera" wie ihn seine Freunde im schönsten Bairisch nannten (nur er sich selbst nicht), kehrte schließlich der Stadt München den Rücken und hielt sich überwiegend auf dem Land auf. In der Tirolergasse 11 in Oberammergau fand er ein geeignetes Haus, in dem er seine vielen Künstlerfreunde und Schriftstellerkollegen empfind. Von Thomas Mann bis Lovis Corinth sie alle gingen gerne in seinem gastfreundlichen Haus ein und aus. Hier entstand auch “Der Schmied von Kochel” und “Das Erwachen”, über die Geschichte Münchens im 19. Jahrhundert, von dem er bis zu seinem Tod 1915 nur den ersten Band vollenden konnte.

 

 

 

Bild: Josef Ruederer gemalt von Lovis Corinth, 1904