die St- Emmeram-Gedächtniskapelle; hpt © Verein für Stadtteilkultur im Münchner Nordosten e.V., 2008.
die St- Emmeram-Gedächtniskapelle; hpt © Verein für Stadtteilkultur im Münchner Nordosten e.V., 2008.

St. Emmeram / Gedächtniskapelle

St. Emmeram 40

Oberföhring-St. Emeram

1866 wird in St. Emmeram in Oberföhring eine private Feldkapelle von Anton und Katharina Vogel, den damaligen Besitzern der gegenüberliegenden Mühle (heute Gaststätte „Sankt Emmeramsmühle“, St. Emmeram 41), erbaut. Sie ist von den Stiftern als Ersatz für die 1820 abgerissene Wallfahrtskapelle St. Emmeram, bei der ehemaligen Klause mit Schule, gedacht. Ein bereits 1840 vom damaligen Wirt der St. Emmeramsmühle Gottfried Hochleitner gemachter Vorschlag eine Kapelle zu bauen, war abgelehnt worden, da man seine religiösen Motive bezweifelte und reine Geschäftemacherei befürchtete.

Die an den Heiligen Bischof Emmeram erinnernde Kapelle in bescheidenen biedermeierlichen Formen, besteht aus einem rechteckigen, zweijochigen Langhaus mit niedriger Apsis und spitzem Dachreiterturm. Innen wird der eingezogene Chorbogen durch neubarocke Architekturmalerei gerahmt. Die Fenster haben schlichte Buntverglasung der Bauzeit.

Im Innenraum schmückt eine Figur des Kirchen-Patrons St. Emmeram aus dem Jahr 1866 den Altar. Beiderseits stehen zwei Engel des frühen 17. Jahrhunderts. Links vom Chorbogen ist auf einer Konsole mit der Büste des Heiligen Nepomuk (Mitte des 18. Jahrhunderts) das Wappen des Stifters S. ML (geteilt, oben Ochse, unten Pflug) zu sehen. Zwei Bilder aus der Legende des Kirchenheiligen St. Emmeram mit den Szenen der Auffindung des gemarterten Heiligen und dem Leichenzug nach Aschheim sind Reste eines Zyklus, der früher insgesamt 16 Bilder umfasste und im Jahr 1650 entstand.

1877 – zehn Jahre nach der ersten Bitt- und Dankwallfahrt – erwirbt die Kapelle die Pfarrpfründestiftung Oberföhring als Votivkapelle.

In der Pfarrkirche St. Lorenz hängt ein Votivbild aus dem Jahre 1867 anlässlich vergangener Schauerjahre. Es stellt eine Bittprozession bzw. ein Dankfest durch die Oberföhringer Isarau zur neuen Gedenkkapelle an den Heiligen Bischof Emmeram dar. Eine Erläuterungstafel neben dem Kircheneingang erklärt den Anlass des Bittgangs:

„Nachdem die Pfarrgemeinde Oberföhring mehrere Jahre hindurch von Schauer (Hagel!) und sonstigen Feldunglück heimgesucht ward, machten die Angehörigen dieser Gemeinde im Jahre 1867 ein Gelöbnis und Bittgang zur Kapelle des heiligen Emmeram, und siehe, durch diese Fürbitte dieses Heiligen blieb die Pfarrgemeinde, dem lieben Gott sei Lob und Dank, seither von derlei Unglück verschont.“

In den 1970er Jahren des vergangenen Jahrhunderts stand eine Generalsanierung der Kapelle an. Allerdings fehlten die nötigen Finanzmittel. Doch dann kam eine Fügung von „oben“. Stadtpfarrer Werner Nothaas schrieb launig darüber in der „Münchner Katholischen Kirchenzeitung“ vom 10. September 1989: „Ist unser Gebet um Abwendung von Unwettern erhört worden? Offensichtlich schon; denn auch die ältesten Oberföhringer können sich nicht daran erinnern, daß es in Oberföhring einmal einen starken Hagel gegeben hätte. Auch am 12. Juni 1984 als über unserer Stadt ein verheerendes Hagelunwetter niederging, ist Oberföhring fast ganz davon verschont geblieben. Viele Gläubige sagten damals, das verdanken wir dem Hl. Emmeram.“

Am 24. Juli 1988 hat der Heilige Emmeram seine Kapelle nicht geschützt. Der Sturm Wiebke entwurzelte einen Baum, der das Dach und die Mauern der Kapelle schwer beschädigen. Die längst fällige Renovierung wurde umgehend begonnen und konnte 1991 mit einem Festgottesdienst am St. Emmeramstag, dem 22. September, gefeiert werden. Die St. Emmeram-Gedächtniskapelle steht unter Denkmalschutz.

Literatur:

Benker, Sigmund, „Pfarrkirche St. Lorenz. Oberföhring Stadt München.“ München und Zürich, 1985, Reihe: Schnell. Kleine Kunstführer Nr. 398.

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