Vorderseite der Becker-Villa zur Maria-Theresia-Straße hin. Den Eingangsbereich im Mittelportal flankieren begrüßend zwei steinerne Marzocco-Löwen ... Fotografie Georg Pettendorfer, 30. Januar 1907 © Stadtarchiv München Sign. DE-1992-FS-NL-PETT1-2335
Vorderseite der Becker-Villa zur Maria-Theresia-Straße hin. Den Eingangsbereich im Mittelportal flankieren begrüßend zwei steinerne Marzocco-Löwen ... Fotografie Georg Pettendorfer, 30. Januar 1907 © Stadtarchiv München Sign. DE-1992-FS-NL-PETT1-2335

ehemalige Becker-Villa

Maria-Theresia-Straße 26

Bogenhausen

Von der ehemaligen Wohn- und Ateliervilla des jüdischen Landschaftsmalers Prof. Benno Becker – der Leitfigur der Münchner Secession – ist nur die Gartenmauer mit Pergolapfeilern und eine Brunnennische im Osten erhalten. Stilistisch und programmatisch ist die 1903 und 1905 in der Maria-Theresia-Straße 26 gebaute Villa eng verwandt mit der Villa des Künstlerkollegen Franz von Stuck, zwischen »hoffähigem Anspruch und reformerischer Sachlichkeit schwankend«. Aus Repräsentationsgründen wurde die Straßenfassade in einem schlichten, aber äußerst monumentalen Neoklassizismus gehalten, die Gartenfront hingegen wäre ein Glanzlicht moderner Architektur im heutigen Sinne. Man könnte meinen zwei völlig unterschiedliche Häuser vor sich zu haben …>> Impressionen aus der Wiede-Fabrik, Oktober 2006

Ein Bildbericht über die Villa Becker in »Die Kunst«, dem Monatsheft für freie und angewandte Kunst, preist im August 1905 das Haus als »herrlichen Frührenaissancebau«. Die Pläne zur Villa stammten zwar aus dem Büro des Architekten Martin Dülfer, das damals als modernstes in München galt, können aber eindeutig Dülfers Büroleiter Paul Ludwig Troost zugeschrieben werden – die markante Handschrift lässt keinen Zweifel daran: kannelierte Pfeiler, Akzentuierung des Eingangs durch einen Pfeilerportikus, der im Obergeschoss einen Balkon trägt, Gliederung der Fassade durch Wandvorsprünge, die die Fenster einrahmen. Der plastische Schmuck stammte von Prof Josef Floßmann aus Pasing. Der Grundriss war merkwürdig verschachtelt und keineswegs symmetrisch angelegt, wie die Fassadengestaltung vermuten lässt. Das Unternehmen Liebergesell & Lehmann führte die Baumaßnahmen aus und 1905 waren die 16 Wohnräume bezugsfertig.

Die große Eingangshalle war in hellgetöntem Stuck ausgeführt, Türrahmungen und Sockel bestanden aus hellgrauem Bardiglio-Marmor, ebenso der Fußboden, der mit Friesen in »hell Siena« durchzogen war.

Der größte Raum des Hauses war das im ersten Stock gelegene Atelier, das zweitgrößte das etwa 100 Quadratmeter große Musikzimmer. Die Ausstattung aller Zimmer lag in der Hand des Architekten Paul Troost, der seine Laufbahn 1897 als Innenausstatter bei den »Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk« begonnen hatte.

Nach dem Tod Beckers 1938 wurde die Villa enteignet und die Witwe Beckers Franziska musste ihren Wohnsitz verlassen. Als neuer Eigentümer firmierte Martin Bormann, der »Reichsleiter und Stabsleiter des Stallverwalters des Führers in Pullach«, mit seiner großen Familie. Der Einbau einer Garage lief 1940 über das »Atelier Troost«, das von der Witwe Gerdi Troost weitergeleitet wurde. Bis heute sind die Einrichtungsgegenstände der Villa verschollen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg (die Villa hatte ihn fast unbeschädigt überstanden – siehe Fotografie oben!) wurde der Besitz an die Tochter Beckers, die Tänzerin Johanna Becker, im Rahmen eines Wiedergutmachungsverfahrens, zurückerstattet. Viele Konzerte fanden hier in der Nachkriegszeit statt, da für diesen Zweck in München nicht mehr genügend intakte Säle zur Verfügung standen. Die Eigentümerin wollte den immerhin 100 Personen umfassenden Konzertsaal (das ehemalige Musikzimmer) sogar noch vergrößern lassen. Ob dies umgesetzt wurde, kann nicht mehr geklärt werden. In jedem Fall wurde das Anwesen nach 1960 verkauft und geriet zum Spekulationsobjekt. 1969 kam das Aus für die Becker-Villa: Sie wurde abgerissen und durch einen monströsen neuen Zweckbau ersetzt. Die neuen Besitzer versuchten erfolglos auch das Nachbaranwesen Nr. 27 zu erwerben und ebenso »gewinnmaximierend« zu verbauen.

Die zwei Löwenfiguren stehen heute noch als traurige Reminiszenz des Eingangsportals der Becker-Villa vor dem heutigen Neubau.

Textquellen:

  • Willibald Karl (Hrsg.): Bogenhausen. Vom bäuerlichen Pfarrdorf zum noblen Stadtteil, München 1992.
  • Alexander Krause: Arcisstraße 12. Palais Pringsheim – Führerbau – Amerika Haus – Hochschule für Musik und Theater, München 2005.
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