Universitäts-Sternwarte

Scheinerstraße 1

 

„Die Lage des Observatoriums ist so günstig und frey, als sie in einer ebenen Gegend nur immer seyn kann. Sie steht, nordöstlich von der Stadt, bey dem Dorfe Bogenhausen, auf einer an sich unbedeutenden Anhöhe, die aber doch so ist , daß man über die Häuser des Dorfes wegsieht, ohngeachtet die nächsten nur dreyhundert Schritte davon entfernt stehen. Nichts verhindert die Aussicht im ganzen Horizonte, als die hohen Thürme der Stadt, der Kirchthurm von Bogenhausen, und was natürlich hier unvermeidlich ist, die südliche kolossale Gebirgskette, ...“  

 

Dies schrieb Carl August Lebschée 1830 in seiner »Malerischen Topographie des Königreichs BayernÍ. Die Sternwarte in der Nähe des damaligen Dorfes Bogenhausen hatte gerade gut zehn Jahre zuvor ihren  Betrieb aufgenommen. 

 

Vorgänger dieser Sternwarte im Zusammenhang mit der Bayerischen Akademie der Wissenschaften waren das Observatorium in der heutigen Prinzregentenstraße (Höhe Haus der Kunst), in den Jahren 17601769/79 und das Observatorium auf dem Gasteig (17731778), dort wo heute das Münchner Kulturzentrum steht. Da aber kein hauptamtlicher Astronom zur Verfügung stand, war beiden keine lange Lebensdauer beschieden. Im Jahr 1803 schließlich ließ die Bayerische Akademie der Wissenschaften ein kleines Observatorium im Jesuitenkolleg, in der heutigen Neuhauser Straße, errichten. Das Observatorium im Zentrum Münchens diente ausschließlich den Zwecken der Landesvermessung und kann als die Keimzelle der Sternwarte in Bogenhausen bezeichnet werden. 

 

 

 

 

Zwei Jahre später gab Kurfürsten Max IV. Joseph den Auftrag eine größere Sternwarte zu bauen und die vorhandenen Instrumente wurden in eine "hölzerne Hütte" auf dem dafür vorgesehenen Standort zwischen Ramersdorf und Haidhausen (heute: Ostbahnhofgelände) transportieren. Aber es blieb bei diesem Provisorium und sollte noch bis 1816 dauern, ehe der erste Spatenstich für ein neues astronomischen Gebäudes erfolgte, allerdings an einem anderen, geeigneteren Ort. Man wählte eine kleine Anhöhe östlich des Dorfes Bogenhausen, die sich inmitten eines flachen, nur mit Wiesen und Feldern bestellten Geländes befand. Fertig gestellt wurde das unter der technischen Leitung von Hofbauinspektor Franz Thurn im klassizistischen Stil errichtete Gebäude im Jahr 1817, im Laufe des Jahres 1819 begann der astronomische Betrieb.

 

 

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Abbildung oben:

Carl August Lebschée: »Das astronomische Gebäude«, Lithografie aus »Malerische Topographie des Königreiches Bayern«, 1830. Der etwas vorspringende mittlere Teil, der Meridiansaal, beherbergte drei Passageinstrumente. In der östlichen Kuppel (re.) befand sich das Äquatorial, die westliche (li.) diente der Aufstellung transportabler Instrumente.

Abbildung unten:

Der Observatoriumseckturm des Jesuitenkollegs. Im rechten Vordergrund das Kadettenkorpsgebäude, links die Herzog- Max-Burg. (Stich von Anton Höchl, 1877)