Vater des Münchner Hell | Bild: Archiv Hacker-Pschorr Bräu GmbH

 

 

Josef Pschorr (17701841)

 

Das bayerische Reinheitsgebot für Bier wurde am 23. April 1516 durch Herzog Wilhelm IV. erlassen und regelte mit der Bierbrauerei einen wichtigen bayerischen Wirtschaftszweig. Der Brauersohn Josef Pschorr war ein Vordenker und Visionär aber auch ein mühevoller Arbeiter mit kaufmännischem Geschick, aber auch geizig. Um Holz zu sparen, durften seine Angestellten das Grünmalz nur halbgedarrt und nicht wie sonst dunkelgeröstet in den Läuterbottich geben. War das Bier zuvor braun und rauchig, bekam es durch das neue Brauverfahren eine goldene Farbe und verlor den Rauchgeschmack. Das Münchner Hell war geboren, die Münchner waren begeistert. Nach seiner Heirat mit der Münchner Brauerstochter Therese Hacker übernahm er von seinem Schwiegervater - erst 23 Jahre jung - die Hacker-Brauerei, die er an die Spitze der Münchner Brauereien führte. Dann übernahm Josef Pschorr die Brauerei "Zum Bauernhansl" und gründete in der Neuhauser Straße 11 die "Pschorr-Brauerei", die er zur zweitbeliebtesten Brauerei Münchens hinter seiner Hacker-Brauerei führte. Durch den Bau eines riesigen Lagerkellers gelang es ihm, das Bier auch im Sommer frisch zu halten, wodurch erstmals ganzjährig gelagert werden konnte.

 

Josef Pschorr war viermal verheiratet und hatte 20 Kinder. Seinen Nachlass ließ er allerdings nur unter seinen Söhnen Georg und Matthias auswürfeln. Mit ihnen zerfiel die Hacker-Pschorr-Brauerei in die Brauerei zum Pschorr und die Hacker-Brauerei. Erst 1972 wurden beide wieder vereint. Sein ältester Sohn Georg Theodor (1830–1894), der als erster Münchner Brauer das Flaschenbier eingeführt hatte, erhielt nach dem Tod des Vaters den Pschorrbräu und Sohn Matthias (1800–1879) erbte den Hackerbräu an der Sendlingerstraße. Den damaligen Sommerkeller in der Landsbergerstraße teilten sich die beiden Brüder mit je einer östlichen und einer westlichen Hälfte. Während der Münchner Bierkrawalle hatten sich die Brüder Pschorr, vor allem Georg, den besonderen Unmut der Münchner Bevölkerung zugezogen. Am 18. Oktober 1848 wurde das Pschorrbräu an der Neuhauserstraße 11 gestürmt und die Einrichtung zusammen mit der Privatwohnung des Bräus innerhalb von zwei Stunden kurz und klein geschlagen.

 

Die Tochter von Josef und Therese Pschorr, Josephine Pschorr (1838–1910) heiratete 1863 den Hornisten Franz Joseph Strauss und wurde die Mutter des Komponisten Richard Strauss, der seinen "Rosenkavalier" den "lieben Münchner Verwandten" der Familie Pschorr widmete.

 

Als einziger Brauer steht die Büste von Josef Pschorr, der auf dem Alten Südfriedhof begraben ist, in der Ruhmeshalle an der Bavaria.

 

Die Enkel von Josef Pschorr, Georg Theodor, August Pschorr und Josef verlegten die Brauerei in die Bayerstraße und ließen das Stammhaus in der Neuhauser Straße nach Plänen des Architekten Max Littmann zu einem Bierausschank ausbauen, den sogenannten Pschorrbräubierhallen, in dem bis zu 2000 Gäste bewirtet werden konnten. Zeitgenössische Beschreibungen hoben den neuartigen "Grill-Room" hervor, der es erlaubte in 20 Minuten ein herrliches Hendl zu servieren.

 

 

 

 

 

Die Pschorrbäubierhalle in der Neuhauser Straße 11 auf einer historischen Ansichtskarte aus dem Jahr 1921.