Zeichnung "Regina-Ullmann-Schule" von Karin Bernst, 1996.
Zeichnung "Regina-Ullmann-Schule" von Karin Bernst, 1996.
Skulptur "Vogelschwarm" hpt © Verein für Stadtteilkultur im Münchner Nordosten e.V. (2008)
Skulptur "Vogelschwarm" hpt © Verein für Stadtteilkultur im Münchner Nordosten e.V. (2008)

Grundschule an der Regina-Ullmann-Straße

Regina-Ullmann-Straße 6

Oberföhring

Zur Entlastung der überbelegten Grundschule an der Oberföhringer Straße errichtete die Stadt München zwischen 1970 und 1972 nach Plänen von Peter Hartl eine neue Grundschule in der Regina-Ullmann-Straße. Der zweigeschossige Hauptbau ist um zwei Höfe gruppiert. Durch einen Verbindungsgang gelangt man zur Turnhalle und zum Schwimmbad. In einem weiteren Gebäude befindet sich die Mütterberatungsstelle und die Hausmeisterwohnung. Im Schulgebäude befindet sich Stand 2008 auch eine Städtische Kindertageseinrichtung.

Zeitweise fanden auch andere Schulen im Haus der Grundschule eine Unterkunft. So verlegte man mit Beginn des Schuljahres 1984/85 die Städtische Helen-Keller-Realschule aus Schwabing in die Regina-Ullmann-Straße. Vorerst nahm man für die 7. Jahrgangsstufe den Unterricht auf, die Jahrgangsstufen 8 – 10 verblieben im Schulgebäude in der Haimhauserstraße. Seit 1992 befindet sich die Realschule an der Fürkhofstraße 28. Auch die ersten Klassen des im Schuljahr 1970/71 neu gegründeten späteren Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums waren vor dem Einzug ins neu gebauten Schulgebäude an der Elektrastraße im Bogenhauser Arabellapark 1972 bis 1974 hier zu Gast.

Vor der Schule befindet sich eine 3,55 Meter hohe Lavasäule mit einem „Vogelschwarm“ aus Bronze. Die von Künstler Rolf Nida-Rümelin geschaffene Skulptur wurde 1971 aufgestellt.

Benannt wurde die Regina-Ullmann-Straße im Jahr 1964 nach der Erzählerin und Lyrikerin Regina Ullmann (1884 – 1961). Die Tochter eines jüdischen Kaufmanns österreichischer Nationalität und einer deutschen Mutter, wurde am 14. Dezember 1884 in St. Gallen (Schweiz) geboren. Hier, in ihrer Heimatstadt besuchte sie auch die Schule. Durch ihre Herkunft hatte Regina Ullmann aber die österreichische und damit ab 1938 die deutsche Staatsbürgerschaft.

Nach dem Tod des Vaters übersiedelte sie mit der Mutter 1902 nach Bayern und lebte bis 1938 mit Unterbrechungen in München. Zeitweise wohnte Regina Ullmann auch in Wien, wo sie im Jahr 1906 und 1908 zwei Töchtern das Leben schenkte, deren Väter der Wirtschaftswissenschaftler Hanns Dorn und der Psychoanalytiker Otto Groß waren. In München begegnete die junge Schriftstellerin Rainer Maria Rilke, der sie literarisch und materiell förderte und öffentlich für sie eintrat. Zu ihrem Freundeskreis zählten unter anderem: Thomas Mann, Wilhelm Hausenstein, Karl Wolfskehl, Arthur Schnitzler, Hans Carossa und Hermann Hesse.

Durch den Einfluss des Ehepaars Derleth trat Regina Ullmann im Jahre 1911 zum katholischen Glauben über. Sie wurde praktizierende Katholikin, deren Glaubensüberzeugung ihr schriftstellerisches Schaffen prägte. Regina Ullmann führte viele Jahre ein unstetes Leben. In ihrem Beruf nur mäßig erfolgreich, war sie, soweit das Geld reichte, viel auf Reisen. Durch den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich zur deutschen Staatsbürgerin geworden, wurde sie wegen ihrer jüdischen Herkunft von Repressalien und Verfolgung bedroht. Im Jahre 1935 schloss man sie aus dem deutschen Schriftstellerverband aus, 1936 übersiedelte sie nach Salzburg. Nach dem Tod ihrer Mutter im Jahre 1938 zog sie nach St. Gallen, in ein von Nonnen geführtes Marienheim. Dort lebte sie in ständiger Angst, aus der Schweiz ausgewiesen zu werden. Um eine befristete Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen, musste sie nachweisen, dass sie in der Lage war, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Erst im Jahre 1950, als es nicht mehr dringlich war, erhielt Regina Ullmann die Schweizer Staatsbürgerschaft. Unter der Obhut ihrer Tochter verbrachte sie ihren Lebensabend in Eglharting, wo sie am 6. Januar 1961 verstarb.

Text: Karin Bernst, „Ein Spaziergang durch den Münchner Nordosten“, Kalender 2004.

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