Im Zuge der Eingemeindung Daglfings nach München im Jahre 1930 wurde eine neue Kuratie München-Englschalking-Denning gebildet und ein baldiger Kirchenbau vorangetrieben. 1931 konnte unter der Leitung des Regierungsbaumeisters Lochbrunner mit dem Bau der neuen Pfarrkirche St. Emmeram begonnen werden. Sie wurde am 17. Juli 1932 durch Kardinal Faulhaber geweiht. Nach umfangreichen Erweiterungsmaßnahmen (Pläne Architekt Eugen Dreisch) fand am 31.Oktober 1937 eine zweite Weihe durch Kardinal Faulhaber statt. Filialkirchen von St. Emmeram sind St. Nikolaus in Englschalking und St. Philippus und Jakobus in Daglfing.
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St. Emmeram Katholische Pfarrkirche
Ostpreußenstraße 80
Englschalking
Weiterführende Informationen
Als dreischiffige Hallenkirche mit Satteldach konzipiert, misst St. Emmeram 42 Meter in der Länge und 19 Meter in der Breite. Höhe des Chores: 15 Meter. Vom Hauptschiff durch Säulen abgesetzt sind zwei Seitenschiffe mit niedrigerer Deckenhöhe. Der 37 Meter hohe Turm trägt drei Glocken und ist ebenfalls mit einem Satteldach eingedeckt.
Die Stirnwand des Chores schmückt ein Relief der Dreifaltigkeit, seitlich davon stehen die Statuen des Heiligen Emmeram und des Heiligen Korbinian. Sie stammen vom Bildhauer Prof. Matthes, 1939 in Ton geformt und dann in Englisch-Zement gegossen. Leopold Hahn schuf die Schutzmantelmadonna und H. Wieninger das Bild des Patrons der Mutterpfarrei St. Laurentius. 1950 errichtete Bildhauer Fritz einen Kriegergedenkstein mit den Reliefs einer Pieta und den drei Soldatenpatronen Georg, Sebastian und Mauritius. Von Bildhauer und Kunstmaler Anton Span stammt die Antoniusfigur.
1968 erhielt der Bildhauer Karl Potzler den Auftrag Altar, Ambo und Tabernakel neu zu schaffen. Von ihm stammen auch die Täuferfigur auf dem Taufstein (1963) und die Federzeichnungen des Kreuzweges (1968) in den Seitengängen.
Das Kreuzbild mit den beiden Franziskanerheiligen Bernardin von Siena und Antonius von Padua stammt wahrscheinlich aus der Ordenskirche am Max-Josefs-Platz, die in der Säkularisation abgerissen wurde. Das Bild vermittelte Prälat Michael Hartig.
Die Orgel mit 23 Registern wurde im Jahre 1976 von der Firma Sandtner in Dillingen eingebaut.
In den Jahren 1983/84 wurde eine umfangreiche Innenrenovierung der Kirche unter der Leitung des Münchner Architekten Fritz Döbler vorgenommen. In dieser Zeit entstand auch das Wandgemälde im Altarraum und die künstlerische Ausgestaltung der Wände durch Kunstmaler Peter Burkhart.
Vor dem Hauptportal der Kirche steht ein »Guter-Hirte-Brunnen« (errichtet 1991) aus hellem Sandstein mit einer Bronzefigur des Bildhauers Johannes Raphael Potzler.
Am 31. Oktober 1937 wurde die St. Emmeramskirche nach umfangreichen Erweiterungsmaßnahmen ein zweites Mal geweiht. Kardinal Faulhaber predigte unter anderem:
„Man kann manchmal es hören: Das Volk wird von seinen Priestern sich ablösen, man kann es hören, die Kirchen werden bald leer werden. Man wird keine Kirche mehr brauchen. Das ist unsere Antwort auf diese unwahre Rederei: Wir vergrößern unsere Kirche, wir müssen neue Kirchen bauen, wir würden noch neue bauen, wenn es uns nicht aus Eisenmangel verboten wäre. … Arbeitet zusammen mit dem Seelsorger, mit dem hochwürdigen Kuraten dieser Kuratie, dem hochwürdigen Herrn Jakob! … Katholisches Volk! Lass dich nicht irremachen an deinem Glauben und an den Sendungen deiner Bischöfe! Katholisches Volk! Glaubt nicht den Verleumdungen, die gegen deine Priester und deinen Bischof geschleudert werden!“
Friedrich Jakob (geboren 1894 in Haidhausen) übernahm 1930 die Aufgabe, die neue Pfarrkuratie St. Emmeram zu organisieren. Er wurde 1921 zum Priester geweiht und 1927 als Kaplan nach Oberföhring versetzt. 37 Jahre lang betreute er die Gemeinde in Daglfing und Englschalking. Im Juni 1945 erließ Kardinal Faulhaber einen Aufruf an die Seelsorger in seinem Bistum, in dem er um Berichterstattung über die Vorgänge und Schäden zum Ende des Krieges, dem Einmarsch der Amerikaner und der Zeit danach bat. Diese Berichte wurden im Jahr 2005 in dem Buch „Das Ende des Zweiten Weltkriegs im Erzbistum München und Freising“ veröffentlicht. Im Bericht des Geistlichen Rats Friedrich Jakob vom 29. Juli 1945 heißt es unter anderem:
„1. Die Pfarrei St. Emmeram kam im Bombenkrieg, Gott sei Dank, sehr gut weg. Bei den einzelnen Angriffen konnten kleinere Brandherde bald beseitigt werden. Der Angriff am 11. Juli 1944 forderte durch Volltreffer in Splittergräben 25 Opfer an Menschenleben; der Angriff vom 22. September auf einen Truppentransport 18 Opfer, 15 Häuser wurden zerstört, ca. 40 Familien obdachlos. An Kirchen und Pfarrhof wurden Fenster und Dachplatten zertrümmert.
2. Beim Einmarsch der Amerikaner am 1. Mai erschossen sich der stellvertretende Ortsgruppenleiter und eine BDM-Führerin. Würdelose Mädchen und Frauen empfingen sie mit Blumen, Umarmungen und Küssen und nahmen sie nachts über in ihre Häuser auf. Ein Notzuchtversuch ist bekannt geworden. Entwendungen von Fotoapparaten, Füllfederhaltern etc. waren üblich. Kirchen und Pfarrhof hatten keinen Schaden.
3. Die Plünderungen setzten in den ersten Tagen ein und dauerten mit kurzen Pausen an. Beschämend waren die Plünderungen der Nachrichtenkasernen, der SS-Reitschule, der Arbeitsdienstlager durch die Einheimischen. Die Plünderung der Güterzüge am Rangierbahnhof Berg am Laim forderten bei der Explosionskatastrophe am 8. Mai 11 Todesopfer (8 Katholiken, 3 Protestanten). Die Plünderungen der Ausländer in Gruppen bis zu 12 Banditen lassen in ihrer Kenntnis der Verhältnisse auf Mitwirkung bzw. Anleitung Ortsansässiger schließen. Bei einer Plünderung im Daglfinger Moosgrund wurden von einer Familie ca. 100 Schüsse gezählt, eine 3-köpfige Familie bei dieser Gelegenheit erschossen. Kirchen und Pfarrhof blieben verschont.“
Textquelle:
Beschreibung der Pfarrei von Pfarrer i.R. J. Bengl, hrsg. vom Pfarramt St. Emmeram.
Karin Bernst, „Spaziergang durch den Münchner Nordosten“, Kalender 2006.