Wohnhaus im Cosimapark; hpt © Verein für Stadtteilkultur im Münchner Nordosten e.V., 2008
Wohnhaus im Cosimapark; hpt © Verein für Stadtteilkultur im Münchner Nordosten e.V., 2008

Wohnanlage Cosimapark

Englschalking

Die Wohnanlage in Englschalking mit ihren ca. 1600 Miet- und Eigentumswohnungen wurde in den Jahren 1963 bis 1969 im Auftrag der Münchner Grund GmbH & Co KG durch das Architekturbüro von Ernst Barth geplant und ausgeführt. Die Außenanlagen gestaltete der Gartenarchitekt Gottfried Hansjakob. Auf einem Grundstück von 11,1 Hektar entstanden in den Jahren 1965/68 (Durchführung Firma Radmer) 13 Punkt- und Atriumshäuser, wobei das höchste davon 18 Stockwerke, das niedrigste Gebäude vier Stockwerke hat. Die Punkthäuser mit ihren auskragenden, umlaufenden Balkonbändern haben ein zentral gelegenes Treppenhaus, von dem aus die Zwei- und Dreizimmerwohnungen erschlossen werden. Nicht nur an die Bequemlichkeit der Hausfrau wurde gedacht – es wurden Müllschlucker eingebaut und in den Kellern standen Wasch-, Trocken- und Bügelanlagen zur Verfügung – auch für die Kinder wurden ausreichend Spielplätze angelegt. Der Mietpreis der ersten Häuser betrug 4,50 Mark pro Quadratmeter. Zudem errichtete man ein Privatkrankenhaus, ein Verwaltungsgebäude der Firma Radmer, zwei Ladenzentren, sechs Tiefgaragen mit ca. 700 Stellplätzen und eine Tankstelle. Für das Haus Stolzingstraße 21 erhielt Barth 1968 den Ehrenpreis für Wohnungsbau.

Entsprechend der Architektur der Häuser wurden die Freianlagen in regelmäßigen Formen gestaltet. Zwischen den Gebäuden wurden rechteckige, in sich geschlossene Baumgruppen gesetzt und am Rande der Wohnanlagen der Boden um 60 Zentimeter angehoben und bepflanzt, sodass kein Zaun nötig wurde, um Sichtschutz zu gewähren. die Erdgeschosswohnungen verfügen über Terrassen und Gartenanteile. Im Inneren der Anlag wurden Rosenbeete in Streifen gesetzt. Die Wege bestehen aus Betonplatten analog zum Material der Wohngebäude. Für die Kinder wurden Spielgeräte, Holzzelte und Schaukeln durchd as Büro Hansjakob konzipiert.

Unter dem Titel »Auch Künstler singen beim Loblied mit« brachte der »Münchner Merkur« im November 1968 unter der Serie »Städte am Rande der Stadt« einen Artikel über die Wohnanlage »Cosimapark«. Über die dortigen Bewohner kann man Folgendes lesen:

»Je höher das Einkommen, desto höher hinaus streben, im wahrsten Sinne des Wortes, die Bewohner. Wer nicht nur Geld, sondern auch einen Namen hat, siedelt sich möglichst vom zehnten Stockwerk aufwärts an, erlebt aus luftiger Höhe für hohen Kauf- oder Mietpreis gelegentlich einen Bilderbuchsonnenuntergang und hat den Fernsehturm scheinbar direkt vor der guten Stube. Diese „besonderen Merkmale“ der Cosimaparkbewohner gelten allerdings vornehmlich für die Besitzer von Eigentumswohnungen; Mieter geben sich weniger anspruchsvoll – und sind mit niederen Etagen zufrieden.

Ärzte fast jeder Fachrichtung haben im Cosimapark im Laufe dieser fünf Jahre ihre Praxis aufgemacht. Sie gehören zur dritten Kategorie der Bewohner, den Freischaffenden; die beiden anderen setzen sich zusammen aus Künstlern. Auch die Ofarims hatten bis vor kurzem ihr Münchner Domizil am Cosimapark, ferner wohnten hier „Zaubergeiger“ Helmut Zacharias, zahlreiche hoch dotierte Fotomodelle und – vornehmlich höhere – Beamte.

Auch die leitenden Herren der Münchner Grund wissen wohl zu schätzen, was sie schufen: Architekt Ernst Barth etwa errichtete sich seine Wohnung im gerade fertiggestellten Atriumshaus in der Beckmesserstraße ein; Frederik Sommer, für den Verkauf zuständig, lebt im 18stöckigen Hochhaus, einer seiner Kollegen in der Stolzingstraße.«

Diese Schwestern werden inzwischen älter geworden sein, wie auch die heutigen Bewohner der Siedlung; man schätzt, dass inzwischen mehr als die Hälfte sechzig Jahre oder älter ist.

Literatur:

Architekturmuseum Schwaben (Hg.): Landschaft für die Stadt. Gottfried Hansjakob und Anton Hansjakob Landschaftsarchitekten, Duisburg 2018, S. 24ff.

Text:

Karin Bernst, in: „Ein Spaziergang durch den Münchner Nordosten“, Kalender 2008

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