Straßenbahn Linie 4 (Westfriedhof - Karlstraße - Nationaltheater - Ostbahnhof), München um 1925, @ Verein für Stadtteilkultur im Münchner Nordosten e.V.
Straßenbahn Linie 4 (Westfriedhof - Karlstraße - Nationaltheater - Ostbahnhof), München um 1925, © Verein für Stadtteilkultur im Münchner Nordosten e.V.

Trambahnlinien im Stadtbezirk 13

Stadtbezirk 13

Linie in der Ismaninger Straße

Bogenhausen erhielt 1896 Anschluss an das Straßenbahnnetz, als die »Gelbe Linie« der »Tramway« vom Max-Weber-Platz aus durch die Ismaninger Straße bis zum Endpunkt Höchlstraße verlängert wurde. Der elektrische Betrieb kam 1898 auf Strecke, die nun die Linie IX bediente. In den Nachkriegsjahren führen die Linie 9 (nach Laim) und die Linie 12 (nach Giesing) auf der Strecke durch die Ismaninger Straße. Heute wird sie von der Linie 18 bedient.

Am 23. Juni 1898 wurde die elektrifizierte Trambahnlinie vom Hauptbahnhof nach Bogenhausen wiedereröffnet. Die Linie war schon seit 1896 mit Pferden befahren worden. Mit der Elektrifizierung der Trambahnen hatte man im Jahr 1895 begonnen und führte sie bis 1900 im inneren Stadtbereich durch.

Linie in der Einsteinstraße

Die Einwohner aus Haidhausen bekamen schon 1882 einen Trambahnanschluss: Die „Weiße Linie“ war vom Hoftheater über die Maximilianstraße und dem Max-Weber-Platz bis zum Ostbahnhof in Betrieb gegangen. Am 27. Oktober 1907 konnte die Neubaustrecke der Linie 19 vom Max-Weber-Platz bis zum neuen Gaswerk »Am Kirchstein« eröffnet werden. 1929 verlängerte die Stadt die Linie um 300 Meter bis zur Endhaltestelle Steinhausen. Sie befand sich südlich der heutigen Einsteinstraße auf dem Gelände des heutigen Busbahnhofs Ost und war von einem kleinen Kastanienhain umgeben. Dieser war 1953 auf dem ehemaligen Werksgelände des Gaswerks „Am Kirchstein“ errichtet worden. 1962 kam es für die 13,6 km lange Linie 19 nach Pasing am Vogelweideplatz abermals zu einer Verlängerung. Die Strecke wird von Max-Weber-Platz aus nicht mehr bedient.

Die Einwohner aus Zamdorf und dem südlichen Denning marschierten über verschiedene Feld- und Wiesenwege auch zur Endhaltestelle Steinhausen, von wo aus die Straßenbahn seit 1907 in die Stadt fuhr. Ab 1926 benützten die Zamdorfer auch die Tram von Berg am Laim aus in die Stadt. Seit dem 15. September 1926 bediente die Linie 31 (ab 1935: Linie 1) die Strecke vom Ostbahnhof zur Schleife in der Baumkirchner Straße, jetzt Linie 19 (St. Veit-Straße).

Am 11. Dezember 2016 wurde die Steinhausentram zum S-Bahnhof Berg-am-Laim eröffnet. Dazu wurde die Linie 25 ab Max-Weber-Platz bis zur Hultschiner Straße um fast 3 km verlängert. In der Einsteinstraße wurden auf der vorhandenen Gleisstrecke zum Betriebshof (1,4 km) neue Haltestellen eingerichtet: Max-Weber-Platz, Flurstraße, Grillparzerstraße und Einseinstraße. Auf der 1,3 km langen Neubaustrecke liegen die Haltestellen Vogelweideplatz, Riedenburger Straße und Berg-am-Laim Bf. Die Bezeichnung ist irreführend, denn die Wendeschleife liegt in Zamdorf.

Linie in der Montgelas-, Bülow- und Englschalkinger Straße

Über die 1902 vollendete Bogenhausener Brücke verlegte man 1906 Gleise für eine zweite Linie nach Bogenhausen bis zur Mauerkircherstraße, die von der Linie 20 (heute 18) angefahren wurde. Erst am 1. Mai 1927 verknüpfte man beide Linien am neuen Endpunkt Gebeleplatz (heute Herkomerplatz). »Der 30er« fuhr ab 1949 wieder von Thalkirchen bis zum Herkomerplatz und neben »dem 9er«, von Laim kommend, befuhr auch »der 12er« (nach Giesing) die Ismaninger Straße. Seit 1961 wenden die Züge an der neuen Endschleife am Effnerplatz. Die Verlängerung mit der Wendeanlage für die Linien 9 und 20 am Cosimapark wurde im Oktober 1970 in Betrieb genommen und 1980 wegen der U-Bahn-Bauarbeiten wieder eingestellt. Die Linie 17 bedient nur noch die Strecke von der Bogenhauser Brücke zum Effnerplatz. 2012 wurde die Verlängerung der Straßenbahnführung von hier bis nach Oberföhring / St. Emmeram realisiert.

Die Straßenbahnlinie nach St. Emmeram

Im Sommer 2010 feierte die Münchner Verkehrsgesellschaft das 115-jährige Jubiläum der elektrischen Straßenbahn. Die Pferdetrambahn, die seit 1876 unterwegs war, wurde bis zum Jahre 1900 durch elektrische Triebfahrzeuge ersetzt. Die Planung, eine Trambahn bis nach Oberföhring fahren zu lassen, gab es schon 1961. Damals wurden die Linien 9, 12, und 20 vom Herkomerplatz zur neuen Inselendschleife am Effnerplatz weitergeführt. Im Oktober 1970 ging dann die vorläufig letzte der geplanten Neubaustrecken in Betrieb: Die Linie 9 ab Effnerplatz bis zur neuen Schleife vor der Siedlung Cosimapark an der Ecke Cosimastraße / Englschalkinger Straße. Die längst vorgesehene und beim Straßenbau berücksichtigte Weiterführung bis nach St. Emmeram sollte nur dann verwirklicht werden, wenn sich zeigen sollte, dass die östlich liegende S-Bahn-Strecke nicht ausreicht, was zur damaligen Zeit nicht wahrscheinlich erschien. Ab Juni 1975 fuhr auch die Linie 20 bis zum Cosimabad. Diese Strecke wurde mit dem Bau der U-Bahn 1980 wieder eingestellt.

Im Frühjahr 2008 hat man die fast 50 Jahre alten Pläne – inzwischen bei der Bevölkerung sehr umstritten – wieder aufgenommen. Nachdem der Stadtrat den Plänen zustimmte, sollte die Beantragung des Planfeststellungsverfahrens im Sommer 2008 erfolgen. Geplant war, die Bauarbeiten für die 4,3 Kilometer lange Strecke im Frühjahr 2010 zu beginnen, damit ein Jahr später die Züge rollen können. Die Genehmigung der Strecke durch die Regierung von Oberbayern erfolgte im September 2009 und im März 2010 fingen dann die Bauarbeiten an.

Zum ersten Mal wurde ein System aus der Schweiz errichtet, bei dem die Tram ihre Energie nicht nur aus der Oberleitung, sondern zusätzlich Strom aus einem Kabel im Boden erhält. Dadurch müssen weniger und kleinere Masten entlang der Strecke aufgestellt werden. Zwischen den Schienen ist ein kurzer, dichter Rasen angelegt, den Bereich zwischen Schiene und Straße hat man mit Wiesenblumen und Kräutern bepflanzt, an die neun Haltestellen wurden jeweils acht bis zehn Bäume gesetzt. Die Kosten haben sich auf 15 Millionen Euro belaufen, Fahrgastaufkommen von 14.300 Personen pro Tag.

Der erste Spatenstich fand am 21. Mai 2010 durch den Oberbürgermeister von München, Christian Ude, statt. Ort der Feier war die zukünftige Wendeschleife bei St. Emmeram, wo bis in die 1960er-Jahre die 1897 erbaute Villa des Ziegeleibesitzers Lorenz Hartl jr. stand. Der Zeitplan der Fertigstellung wurde oft durch die Witterungsumständen beeinträchtigt, aber auch der Bauuntergrund – er besteht zum größten Teil aus Lehmboden – war nicht von Vorteil. Er bot kaum Halt und so mussten die Arbeiter den Untergrund an vielen Stellen erst mit Kies verdichten. Bis Ende 2010 waren 90 Prozent der Gleise verlegt und an der Ecke Lohengrin-/Cosimastraße wurde eine Musterhaltestelle errichtet. Die Straßenbahnlinien 16 und 18 nach St. Emmeram fahren heute im 10- Minutentakt auf einer der modernsten Straßenbahnstrecken Europas. Am Effnerplatz fährt der „Cosima-Express“ dann mitten durch das Kunstwerk „Mae West“, das 2011 im Rahmen der Gestaltung des Platzes nach der Fertigstellung des Richard-Strauss- und Effnerplatz-Tunnels vollendet wurde.

Am Samstag, den 10. Dezember 2011, fand die Tram-Eröffnung mit Bürgerfest und Freifahrten statt.

Am 7. Januar 2012 berichtet die Süddeutsche Zeitung mit der Schlagzeile „Schmutzige Geschäfte beim Trambahnbau“ allerdings von weniger erfreulichen Umständen beim Trambahnbau nach St. Emmeram. Ein Kartell von Stahlunternehmen hat offensichtlich die Münchner Stadtwerke um Millionen Euro betrogen, indem Großaufträge untereinander abgesprochen wurden. Die Stadt möchte jetzt ihr Geld zurück:

„Ein Kartell von Stahlunternehmen soll Schienen und Weichen zu weit überhöhten Preisen abgerechnet haben. Das besagen Erkenntnisse des Bundeskartellamtes in Bonn, das in zahlreichen Fällen ermittelt. (…) Eine deutsche Voestalpine-Tochter und Thyssen-Krupp aus Essen haben (teils zusammen mit anderen Unternehmen) Ausschreibungen unter sich ausgemauschelt und so Abnehmer um viele Millionen Euro geprellt. (…) Vorsorglich haben die SWM nach eigenen Angaben schon eine Anwaltskanzlei eingeschaltet.“

Text: Karin Bernst, Ein Spaziergang durch den Münchner Nordosten, Kalender 2011, herausgegeben vom Verein für Stadtteilkultur im Münchner Nordosten e.V.

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