»Klause und Kapelle von St. Emmeram bei Oberföhring«, Ausschnitt aus einem Kupferstich von Simon Warnberger, 1805. Er diente dem Architekturmaler und Ziegeleibesitzer Anton Höchl als Vorlage für eine Ölkopie, die er 1852 der Pfarrkirche St. Lorenz stiftete.
»Klause und Kapelle von St. Emmeram bei Oberföhring«, Ausschnitt aus einem Kupferstich von Simon Warnberger, 1805. Er diente dem Architekturmaler und Ziegeleibesitzer Anton Höchl als Vorlage für eine Ölkopie, die er 1852 der Pfarrkirche St. Lorenz stiftete.

St. Emmeram (ehemalige Kapelle)

Oberföhring Haus Nr. 1 (heute Spervogelstraße 12)

Oberföhring-St. Emeram

Die Kapelle stand an der Stelle, wo der Leichnam des Heiligen Emmeram am Ende des 7. Jahrhunderts zur endgültigen Bestattung nach Regensburg auf ein Floß gelegt wurde. Wann genau diese erste Gedächtniskapelle für den Heiligen Emmeram bei Oberföhring errichtet wurde, liegt im Dunkeln. Eine Kapelle bei Oberföhring wird in jedem Fall erstmals in einer Urkunde vom 19. Juli 884 bezeugt. Die einzige erhalten Abbildung des Kirchleins ist ein Kupferstich aus dem Jahr 1805. Auf ihm ist auch die – quasi im »Windschatten« der Wallfahrtskapelle St. Emmeram – im 17. Jahrhundert entstandene Klause mit Schule zu sehen, in der die Kinder der umliegenden Ortschaften von Eremiten unterrichtet wurden.

Bis zur Säkularisation 1803 war die Kapelle St. Emmeram bei Oberföhring eine bedeutsame Wallfahrtsstätte, wovon auch der Auftrag zur prunkvolle Ausstattung mit Stuck und Fresken an die Brüder Asam Zeugnis ablegt. 1820 wurde die Kapelle abgerissen.

In alten Urkunden steht anstelle des heute bekannten Namens »Emmeram« häufig auch »St. Haymran« oder »Haimeran«. Zur Verwirrung trägt auch die Nennung eines Gotteshauses in Küntal bei. Diese Ortsbezeichnung ist heute verschwunden. Im Mittelalter stand dort ein Herrenhof, der Königshof »Chuntal«, mit einer »capella«. Im neunten Jahrhundert verstand man unter »capella« eine königliche Pfalzkapelle. Diese königliche Kirche in Chüntal wird nachweislich bis ins 16. Jahrhundert als Oberföhringer Filialkirche genannt. Ab 1429 steht in Urkunden für Chuntal nun St. Emmeram. Bei beiden Ortsbezeichnungen handelt es sich laut Kreisheimatpfleger Fritz Lutz, bzw. Stahleder, um den selben Ort, d.h. auch um ein und dieselbe Kirche.

1739 wurde die Kapelle völlig neu erbaut »und mit großer Zierde durch die kunstreiche Herrn Asam herrlich gemacht«. Stifter war der Münchner Handelsherr Joseph Nockher. 1742 weihte Fürstbischof Johann Theodor die neu ausgestattete Kapelle und gewährte ihr und den Eremiten besondere Gunst. Die Tätigkeit der Brüder Asam, Cosmas Damian und Egid Quirin, bezeugt Fürstabt Johann Baptist Kraus von Regensburg, der mit ihnen von der Restaurierung von St. Emmeram in Regensburg her gut bekannt war. Pfarrer Hueber berichtet am 18. April 1739, dass Nockher »das ganze Kirchlein von dem berühmten khünstlichen Maller Asamb mit dem Leben des heil. Emerami ausmallen« lassen wolle. Dass die Gerüste »wegen dem Maller« lange in der Kapelle standen, ist bezeugt. Cosmas Asam starb schon am 10. Mai 1739. Sein Bruder Egid hat wohl die Arbeit vollendet. Von der damaligen Innenausstattung ist heute nur noch der St.-Emmerams-Altar mit einem Bilderrahmen von Egid Quirin Asam aus dem Jahr 1739 erhalten, der im frühen 19. Jahrhundert, nach dem Abriss der Kapelle, in einen Seitenalter der Pfarrkirche St. Lorenz eingefügt wurde.

Die Säkularisation führte 1804 zur Aufhebung der Eremitenkongregation, der letzte Eremit wurde vertrieben, die Kirche ausgeräumt und geschlossen, ihr Inventar versteigert. Der zuständige Pfarrer konnte gegen »Juden und Tändler« die Statue des Heiligen Emmeram ersteigern und in die Pfarrkirche St. Lorenz übertragen. Außerdem erwarb er noch den Hochaltar und wollte ihn in die Pfarrkirche versetzen. Dazu kam es jedoch offenbar nicht. 1809 wurde in der ehemaligen Klause eine Schule eingerichtet, die sich noch eine Weile unter einem weltlichen Lehrer dahinfrettete, bis 1821 aus den Abbruchsteinen der Emmeramskapelle das Baumaterial für das neue Schulhaus in der Muspillistraße 27 gewonnen wurde. 1866 stifteten die Besitzer der St. Emmeramsmühle, Anton und Katharina Vogel, als Ersatz für das Kirchlein eine neue Kapelle zur Erinnerung an den Heiligen Emmeram (St. Emmeram 40, heute unter Denkmalsschutz). 1822 verkaufte die Gemeinde Oberföhring die alte Schulklause an den Stadtbaumeister Josef Höchl, der das Gebäude (Haus Nr. 1) abreißen und für sich ein neues Wohnhaus errichten ließ. (Heute Spervogelstraße 12)

Literatur:

  • Lutz, Fritz: St. Emmeram bei München-Oberföhring, ein ehemaliges Wallfahrts- und Schuleremitorium, Eigenverlag 1992.
  • Benker, Sigmund: Pfarrkirche St. Lorenz. Oberföhring Stadt München. München und Zürich, 1985, Reihe: Schnell. Kleine Kunstführer Nr. 398.
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