Englschalkinger Straße mit Blick auf das "Sternhaus" der BayWa AG (Arabellastraße 4), hpt © Verein für Stadtteilkultur im Münchner Nordosten e.V.
Englschalkinger Straße mit Blick auf das "Sternhaus" der BayWa AG (Arabellastraße 4), hpt © Verein für Stadtteilkultur im Münchner Nordosten e.V.

Englschalkinger Straße

Englschalking

Die Hauptverkehrsstraße des Stadtteils Englschalking zieht sich heute von der S-Bahn-Haltestelle Englschalking bis zur Effnerstraße. Sie überquert dabei die Ostpreußenstraße und die Vollmann- / Cosimastraße, wobei sie ab da dem Stadtteil Bogenhausen zugehörig ist.

Ende des 19. Jahrhunderts wuchs der Ortsteil Englschalking zum zentralen Ortsteil der alten Gemeinde Daglfing heran, denn es entstanden in der Gegend immer mehr Ziegeleien, die ihre Fracht auf der Englschalkinger Straße nach München hinein brachten. Der am Zollhaus erhobene „Pflasterzoll“ half die zum Teil schweren Schäden durch die Fuhrwerke zu beheben. Unter anderem waren hier folgende Ziegeleien zu verzeichnen:

Englschalkinger Straße 120

1872 von den Erben König Max II. abgekaufte Ziegelei von Anton und Amalia Graßl

Englschalkinger Straße 130a

1908 Kiesgrube mit Quetschwerk und Ökonomie (1911 von Baumeister Max Jung errichtet) von Brunhilde Kolmis

Englschalkinger Straße 136a

Ab 1914 ist der Gutsbetrieb mit Pferdehandlung im Besitz von Johann Kaupper, davor befand sich hier die Ziegelei von Josefa Bräunlein (geborene Roth)

Englschalkinger Straße 161

(Bogenhausen Nr. 87a)

Pflasterzollhaus

Das 1893 errichtete Zollhaus (Station No. VII) war bis 1964 in Betrieb und wurde danach abgebrochen.

Englschalkinger Straße 166

(Denning HsNo 7)

Reischelhof

Johann und Julia Ansperger errichten 1830 ein Wohnhaus mit Ziegelstadel und zwei Brennöfen. 1867 Verkauf an Kaspar Reischl, der 1871 ein Fabrikgebäude zur Fertigung der klassischen Münchner Trottoirsteinen errichtet, bis 1919 in Betrieb. Danach Kies-Quetschwerk (Reischlgrube). 1985 Umbau des Reischlhofs zum Ökologischen Bildungszentrum (ÖBZ).

Englschalkinger Straße 181

(Englschalking HsNo. 1,

Hof „beim Streicher“)

Besitzer u.a. Josef Sedlmair, Abbruch der Ziegelei 1899, Abbruch des Hofes 1963 beim Bau der Wohnanlage „Cosimapark

Englschalkinger Straße 199

(Englschalking Hs No 15)

Johann Flaschenträger erwirbt zusammen mit seinem Jugendfreund Johann Pfeifer Lehmgründe in Englschalking und errichtet 1865 ein Wohnhaus mit Feldziegelei auf dem Grundstück Englschalking, Haus Nr. 15, die ab 1868 ganz in den Besitz der Familie Flaschenträger übergeht. 1876 Errichtung eines Ringbrandofens. 1899 Übergabe des Besitzes an die Söhne Heinrich und Wilhelm. Die Ziegelei ist bis 1915 in Betrieb.

Englschalkinger Straße 221

(HsNo 13 und 14)

Feldziegelei erbaut 1866, sogenannte „Schneider’sche Ziegelei“, 1872 erworben von Johann und Katharina Pfeifer aus Ginzheim bei Mainz, in Betrieb bis 1920; das Gebäude wurde im Frühjahr 2011 komplett abgerissen. Heute steht hier eine Wohnanlage.

Englschalkinger Straße 229

(HsNo 18)

Villa

Bis heute erhaltenes Anwesen der Familie Hartl, die „Theenvilla„, zeugt vom Aufschwung der „Ziegelbaronie“ im Münchner Nordosten; auf dem Grundstück Englschalkinger Straße 235 wurde 1866 ein Ziegelstadel errichtet, der ab 1874 durch die Familie Lorenz Hartl betrieben wurde. Die Villa ist heute im Besitz der Familie Heinrich Theen.

Anfang des 20. Jahrhunderts war der Verkehr derart angewachsen und die Schäden durch die schweren Fuhrwerke so gravierend, dass das Königliche Bezirksamt (Landratsamt) am 30. April 1905 anmahnte die Sicherheit des Verkehrs durch Reparaturmaßnahmen zu gewährleisten. Aber auch die Flickschusterei an der gekiesten Fahrbahn half auf Dauer nichts. Schließlich wird eine neue Bepflasterung der Englschalkinger Straße beschlossen, unter finanzieller Beteilung der Ziegeleibesitzer Josef Kern, Wilhelm Flaschenträger, Johann Pfeifer, Johann Hartl, Bonifaz Hartl, Franz Rattenhuber und Martin Rattenhuber. Jeder verpflichtet sich, 700 Mark „in bar“ an den Bürgermeister Wilhelm Flaschenträger abzuliefern. Damit erhielten sie die Erlaubnis, auch künftig die Englschalkinger Straße mit schweren Fuhrwerken von mehr als 2000 kg zu befahren. Ein Darlehen der Bayerischen Hypotheken und Wechselbank sowie ein Zuschuss der Gemeindeverwaltung Oberföhring sicherten außerdem die Neubepflasterung. Bis in die 1960er Jahre rollte der Verkehr auf dieser Fahrbahn, die auf einem durch den Aushub von Lehm entstandenen Damm verlief. Noch heute kann der Höhenunterschied am Beginn der Memeler Straße besichtigt werden.

Text:

Roland Krack, in: „Dörfer auf dem Ziegelland„, hrsg. von Willibald Karl. München 2002.

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