Prof. Josef Henselmann (1898–1987)

 

Geboren als Sohn eines Müllers und Landwirts in Laiz (Baden-Württemberg) erkannte und förderte schon früh ein Zeichenlehrer die Begabung Henselmanns. Daher absolvierte er nach dem Gymnasium eine Lehre als Holzbildhauer in Sigmaringen bei der renommierten Werkstätte Marmon. Schon früh entschied sich Henselmann für eine selbstständige Künstlerlaufbahn. Nach dem Ersten Weltkrieg, aus dem er schwer verwundet zurückkehrte (schicksalhaft wurde seine rechte Hand gerettet), geht er 1920 nach München, wo er mittellos eine Ausbildung an der  Westenrieder-Schule bei Karl Killer und an der Akademie der Bildenden Künste bei Prof. Hermann Hahn macht. Es folgten entbehrungsreiche Jahre ehe er 1925 mit einem bedeutenden Kunstpreis ausgezeichnet wurde. In der Folge erhielt er größere Auftragsarbeiten und weitere Auszeichnungen. 1932 wurde er mit der Leitung der Klasse für Bau- und Kirchenplastik an der Staatsschule für angewandte Kunst in München betraut. Ein Jahr später heiratete er am 14. Januar 1933 seine Malerkommilitonin an der Akademie Marianne Euler. Im selben Jahr erhielt er auch eine ordentliche Professur und wurde dadurch zum jüngsten Kunstprofessor Münchens. Mit Unterstützung seines Schwiegervaters, Brauereidirektor Johann Conrad Euler, baute sich das junge Paar ein Wohnhaus mit Atelier in der Donaustraße 6 in Bogenhausen und zog 1934 dort mit dem gemeinsamen Sohn Rupert (geb. 1933) ein. 1935 kam Tochter Margarete auf die Welt. Am 1. Juni 1936 erfolgte Henselmanns Ernennung zum ordentlichen Professor im bayerischen Landesdienst.

 

Während der Zeit des Nationalsozialismus versuchte sich Henselmann mit ausschließlich privaten und kirchlichen Aufträgen aus der Politik der Machthaber herauszuhalten und vermied jede Art von Kunst, die als Verherrlichung des Nationalsozialismus hätte angesehen werden können. Er war ein beliebter Lehrer an der Akademie und wurde nur wenige Monate zum Militärdienst einberufen. 1944 traf eine Fliegerbombe sein Wohnhaus samt Atelier, das er mithilfe seiner Studenten nach Kriegsende wieder aufbaute.

 

1946 wurde er als Professor an die durch Carl Sattler mit der Staatsschule für angewandte Kunst fusionierte Akademie der Bildenden Künste München berufen. Er leitete dort eine Bildhauerklasse. Zu seinen Schülern, deren Werke im Münchner Nordosten zu sehen sind, zählten unter anderem Leopold Hafner, Karl Potzler, Anton Rückel, Max Faller, Otto Kallenbach und Klaus Backmund. 1948 Ernennung zum Akademiepräsidenten (bis 1957).

 

1963 wurde er erneut Präsident der Akademie, legte aber in der Aufbruchsituation und mit den Studentenunruhen um 1966 enttäuscht sein Amt nieder. Henselmann, der 1987 in München verstorben ist, erhielt zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Großen Preußischen Staatspreis, den Bayerischen Verdienstorden, den Bayerischen Maximiliansorden und den Förderpreis im Bereich Bildende Kunst der Landeshauptstadt München (1957). 

 

»Kunst muss man nicht definieren, das spürt man«, und manchmal fügte er noch hinzu: »mit dem Herzen«, so zitiert Dr. Gisela Forster, Installationskünstlerin und Henselmann-Schülerin, ihren Lehrer.

 

Nach Henselmanns Tod, richteten seine Tochter Margret und deren Mann, Lothar Henselmann, eine Sammlung in München ein. 1997 kaufte Lothar Henselmann das ehemalige Siechenhaus in Laiz und renovierte das Gebäude, um hier die Sammlung aus München aufnehmen zu können. Auf Podesten, auf Fachwerk-Balken und hinter Glas sind seitdem Henselmanns Skulpturen aus Holz, Gips und Bronze zu sehen, ebenso wie Bilder seiner Frau Marianne.

 

Ein Enkel Henselmanns, Prof. Dr. Josef Alexander Henselmann (geb. 1963), arbeitet ebenfalls als Bildhauer im Atelier seines Großvaters in der Donaustraße 6.

 

 

Werke (Auswahl):

Hochaltar im Stephansdom in Passau

Hochaltar Augsburger Dom

Mosesbrunnen in der Maxburg, München

Chorbogenkruzifix Frauendom, München

Rindermarktbrunnen, München/Rindermarkt

Fischbrunnen, München/Marienplatz

Christophorus, München/Prinzregentenstraße (Lehel)

Steindenkmal vor der Kirche St. Johann von Capistran, München-Parkstadt-Bogenhausen

Franziskus-Portal, Kirche St. Gabriel, München-Haidhausen

sowie zahlreiche Werke im bayerischen und oberschwäbischen Raum

 

 

 

Literatur:

Henselmann, Rupert (Hg.): Bildhauer Josef Henselmann 1898–1987. Sein Weg im XX. Jahrhundert, Lindenberg 2011.