Luftbildaufnahme der Pfarrkirche St. Lorenz im Januar 2009; mit freundlicher Genehmigung von Klaus Leidorf; © Klaus Leidorf Luftbilddokumentation; Quelle: http://www.leidorf.de/index.php. Links oben ist gut das stattliche Pfarrwiddum zu sehen, mit seinen angeschlossenen Gemeindehausneubauten und dem großzügigen Pfarrgarten.
Luftbildaufnahme der Pfarrkirche St. Lorenz im Januar 2009; mit freundlicher Genehmigung von Klaus Leidorf; © Klaus Leidorf Luftbilddokumentation; Quelle: http://www.leidorf.de/index.php. Links oben ist gut das stattliche Pfarrwiddum zu sehen, mit seinen angeschlossenen Gemeindehausneubauten und dem großzügigen Pfarrgarten.

St. Lorenz Katholische Pfarrkirche

Muspillistraße 14

Oberföhring

Der markante Sattelturm der katholischen St. Lorenzkirche in der Muspillistraße (vormals Kirchenstraße Haus No. 11) beherrscht das östliche Isarhochufer und gilt als Wahrzeichen Oberföhrings. Von der mittelalterlichen Pfarrkirche weiß man nicht viel, dies ändert sich erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts, als die dem Heiligen Laurentius geweihte gotische Saalkirche 1678 wegen Bauschäden abgebrochen – nur der einfache gotische Turm blieb stehen – und noch im gleichen Jahr unter Fürstbischof Albrecht Siegmund auf Betreiben des damaligen Pfarrers Johann Franz Ecker von Kapfing und Liechteneck neu errichtet wurde. Baumeister war der Münchner Maurermeister Wolfgang Zwerger (gest. 1715). 1680 konnte die Kirche geweiht werden, aber es dauerte bis 1893 ehe auch der stark einsturzgefährdete Turm neu aufgebaut wurde, allerdings nicht in barocker Form, sondern nach Vorbild des alten Turms, als hoher Satteldachturm.

St. Lorenz hat eine barocke Innenausstattung, allerdings ist die Herkunft des heimischen Frühbarockdekors ebenso unbekannt wie der Stuckateur selbst, möglicherweise wurde nach Entwürfen von Wolfgang Zwerger, dem Baumeister der Kirche, gearbeitet. Der Hochaltar besteht aus vier gewundenen Säulen, zwischen denen die aus dem Jahr 1648 von einem ländlichen Bildhauer stammenden großen Holzfiguren von Petrus und Paulus stehen. Das Altargemälde stellt das Martyrium des Namenspatron der Kirche, des Heiligen Laurentius, dar (Kopie eines Tiziangemäldes in der Jesuitenkirche Venedig, 1555).

Das vorher an dieser Stelle hängende barocke Altarbild ist verloren, das aus der Zeit um 1860 von Franz Xaver Glink geschaffene Bild »Der Heilige Laurentius über der Pfarrkirche mit dem alten Turm« hängt heute im Treppenhaus des Pfarrheims. Es zeigt den Heiligen Laurentius auf Wolken über dem Isarhang thronend – die Kirche St. Lorenz, von Sonnenstrahlen effektvoll angeleuchtet, trägt noch den kurzen, gotischen Turm, der bald dem weitaus höheren und schlanken neuen Satteldachturm, wie er heute zu sehen ist, weichen sollte.

An der Nordwand des Langhauses hängt ein Votivbild mit der Darstellung eines Bittgangs im Jahr 1867 zur 1866 errichteten Emmeramskapelle, die ein privater Stifter als Ersatz für die 1820 abgerissene Kapelle beim ehemaligen Eremitorium in Auftrag gegeben hatte.

Ein besonderes Werk ist aber der linke Seitenaltar, in den man im frühen 19. Jahrhundert einen Teil des Altars aus der abgerissenen St. Emmeramskapelle eingefügt hat. Das Gemälde mit dem inmitten von Engeln thronenden Heiligen Emmeram stammt aus dem frühen 17. Jahrhundert (Strahlenkranz und Brustkreuz sind in Messing eingesetzt). Der Rahmen von blühendem Formenreichtum steht auf zwei Voluten. Am Übergang zum Bogen entwachsen ihm zwei Engelhermen. Bekrönt wird er von einem Engelskopf mit Mitra. Dieses Werk des Spätbarocks ist eine lange unbekannt gebliebene Arbeit von Egid Quirin Asam aus dem Jahr 1739. Seine und die Arbeit seines Bruders Cosmas Damian ist für die Kapelle St. Emmeram nachgewiesen. Das Motiv der aus einer Rahmenform herauswachsenden Engelhermen ist für Asam charakteristisch und in der hier vorgenommenen Silberfassung von besonderer Feinheit.

Rechts und links vom Hauptportal der St. Lorenzkirche stehen, in zwei Wandnischen, die 1953 vom Bildhauer Roland Friederichsen geschaffenen Kalksandsteinskulpturen des Heiligen Benno und des Heiligen Korbinian. Links vom Portal ist in der Wand ein Gedenkstein an Rochus und Barbara Dedler eingelassen. Der Bruder des Komponisten der Musik zum Oberammergauer Passionsspiel war hier Pfarrer. Der nach ihm benannte Rochus-Dedler-Weg beginnt gegenüber dem Friedhof und führt zur Isar hinunter. Auch das große Kreuz an der Turmwand aus dem Jahr 1949 erinnert an ihn. In der rechten Wand des Hauptportals ist ein Gedenkstein an den Klausner der Wallfahrtskapelle von St. Emmeram, Marcus Schöfmann (gestorben 1686), eingelassen.

Auf dem von einer Kirchhofmauer umgebenen großen Friedhof von St. Lorenz liegen viele der in der Prinzregentenzeit in Oberföhring zu Vermögen und Ansehen gekommenen sogenannten Loambarone begraben. In einer Reihe findet man die mächtigen Grabsteine der Familien Haid, Deck, Grimmeisen und Hartl oder Namen wie Welsch und Bräunlein. Aber auch Berühmtheiten wie der Bildhauer Adolf von Hildebrand und seine Frau Irene haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden, ihr Grabmal trägt ein Relief aus der Hand des Künstlers. Am Haupteingang zum Friedhof steht eine kleine Kapelle (früher Lourdesgrotte, jetzt Fatimakapelle und Kriegerdenkmal), an der zwei barocke Grabtafeln angebracht sind, eine davon für Pfarrer Johann Georg Krinner aus dem Jahr 1798.

In Sichtweite der Pfarrkirche liegt das Pfarrhaus (früher »Pfarrwiddum«) von St. Lorenz, an der Muspillistraße 31. Der stattliche zweigeschossige Bau ist neben dem Hof »beim Baupfleger« der einzige »ganze« Hof in Oberföhring und stammt aus dem Jahr 1896.

Seit 1939 befindet sich unter der Trägerschaft der Kirchenstiftung St. Lorenz auch ein Kindergarten, Muspillistraße 5, für den ein Erweiterungsneubau am Grundstück des Anwesens des ehemaligen »Bichlbauernhofes« errichtet wurde (Muspillistraße 11).

Literatur:

  • Benker, Sigmund, „Pfarrkirche St. Lorenz. Oberföhring Stadt München.“ München und Zürich, 1985, Reihe: Schnell. Kleine Kunstführer Nr. 398.
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