Klause von St. Emmeram bei Oberföhring, Kupferstich von Simon Warnberger, 1805; links im Hintergrund München, rechts oben in den Wolken der hl. Emmeram; im Vordergrund die Klause mit Bienenstöcken und die dahinter liegende Kapelle St. Emmeram; Vorlage der Ölkopie von Anton Höchl.
Klause von St. Emmeram bei Oberföhring, Kupferstich von Simon Warnberger, 1805; links im Hintergrund München, rechts oben in den Wolken der hl. Emmeram; im Vordergrund die Klause mit Bienenstöcken und die dahinter liegende Kapelle St. Emmeram; Vorlage der Ölkopie von Anton Höchl.

Wallfahrts- und Schuleremitorium (ehemalig)

Spervogelstraße 12 (ehemals Oberföhring Haus Nr. 1)

Oberföhring-St. Emeram

Quasi im „Windschatten“ der wohl schon 884 errichteten Kapelle St. Emmeram (später Filialkirche) im Ortsteil St. Emmeram in Oberföhring, entsteht in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg eine Eremitenklause. Ihr frühester Beleg stammt aus dem Jahr 1663. Die Klausner versahen den Mesner- und Organistendienst in der Pfarrkirche St. Lorenz. Sie richteten in der Eremitage eine Schule ein, in der die Kinder der Umgebung unterrichtet wurden. Es ist der Beginn der Schulgeschichte des Münchner Nordostens. Seit 1721 gab es hier auch ein Noviziat zur Ausbildung der Klausner zu Schulmeistern – die am frühesten belegte Lehrerbildungsstätte Bayerns.

Das einzige überlieferte Bild der Wallfahrtskirche und der Klausnerschule stammt aus der Zeit der Säkularisation und ist ein Kupferstich, der das „kurfürstliche Schulhaus zu S. Emmeram bey Oberföhring“ zeigt. Der zur Pfarrei Oberföhring gehörende und in seinem Gut am Priel bei Bogenhausen lebende Architekturmaler Anton Höchl hat zur 1200-Jahr-Gedenkfeier des Todes von St. Emmeram am 22.9.1852 eine Ölkopie dieses Kupferstichs angefertigt und der Pfarrkirche St. Lorenz geschenkt, in der sie noch heute zu sehen ist.

Eremitenschule und Filialkirche wurden 1820/1821 abgerissen und an ihrer Stelle eine Villa errichtet. Heute befindet sich hier ein Kindergarten.

Es sind also die Eremiten einer Kongregation, die die Kinder der bäuerlichen Umgebung von Oberföhring als erste schulisch unterweisen. Im Sommer 1713 bauen sie sogar eine Schule auf eigene Kosten, damit „die Kinder, welche sich im Winter häufig einfinden, bequemer sitzen und wir ungehindert unsere einsiedlerischen Übungen fortsetzen können.“ Der Schulbesuch in der Klausnerschule ist freiwillig und kostet Schulgeld, die Eremiten selbst haben aber einen geringen Bildungsstand, daher besteht der Stoffplan meist in der Vermittlung biblischer Geschichten, im Lesen und Schreiben und im Kirchengesang.

Das Ende der Klausnerschule kommt mit dem Neubau des bayerischen Staates durch Montgelas und der Auflösung vieler Klöster im Zuge der Säkularisation. 1802 wird die allgemeine Schulpflicht in Bayern eingeführt. Die Arbeit der religiös ausgerichteten Eremiten wird beendet, der Eremit Thomas Wimmer 1804 vertrieben. Der neue weltliche Schulunterricht findet aber nach wie vor in der Eremitenklause statt. 1804 waren zwar 64 Kinder zum jetzt „weltlichen“ Schulunterricht angemeldet, aber die Schulfreudigkeit der bäuerlichen Bevölkerung war denkbar gering, denn besonders in den Sommermonaten wurden die Kinder zur Arbeit auf dem Feld oder zum Viehhüten gebraucht.

Die räumlichen Verhältnisse in der alten Klause sind bald unzumutbar. Aber es dauert noch bis 1822, ehe das Eremitorium abgerissen wird. Aus den Abbruchsteinen der bereits 1820 abgerissenen Kapelle errichtet die Gemeinde Oberföhring dann 1824 ein neues Schulhaus in der Muspillistraße 27.

An der Stelle des Eremitoriums und der Filialkirche St. Emmeram errichtet 1822 der neue Besitzer des Grundstücks, der Stadtmaurermeister Josef Höchl, eine Villa, die heute im Besitz der Stadt Münchens ist. Sie wird verschiedentlich genutzt, zunächst als Wirtschaft (1831 bis 1842?), dann als Kalkbrennerei und Dampfsägemühle, schließlich als Wohnhaus (Neubau 1872), in das der Oberföhringer Bürgermeister Carl Freiherr von Wohnlich noch im gleichen Jahr einzieht. Nach 1933 Sitz des Knaurverlages. Heute ist an der Spervogelstraße 12 im Besitz der Stadt München und hier eine private Kindertagesstätte untergebracht.

Textquellen:

  • Willibald Karl (Hrsg.), „Dörfer auf dem Ziegelland„, Buchendorfer Verlag
  • Fritz Lutz, „St. Emmeram bei München-Oberföhring, ein ehemaliges Wallfahrts- und Schuleremitorium“, Eigenverlag 1992.
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